Nur wenige Beschäftigte nutzen flexible Arbeitsplatzmodelle
Grundsätzlich könnten mobile Gerätschaften die Präsenzpflicht im Unternehmen aufweichen. Doch obwohl viele Arbeitgeber beispielsweise Heimarbeit erlauben oder gar fördern, genießt nur eine kleine exklusive Gruppe solche Freiheiten.
- JĂĽrgen Diercks
Mobile Endgeräte aller Art sind dazu geeignet, den festen Arbeitsplatz im Unternehmen zum Auslaufmodell zu degradieren. Aber grau ist alle Theorie. Zwar bietet die Digitalisierung der Berufswelt den Unternehmen grundsätzlich die Chance, Fachkräfte durch flexible Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle an sich zu binden. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Nur eine kleine Gruppe Priviligierter darf oder kann solche Möglichkeiten nutzen.
Das fand eine repräsentative, bundesweite Befragung bei Unternehmen heraus, durchgeführt vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die Untersuchung erfolgte im Rahmen des Monitoring Report Digitale Wirtschaft, einer Studie von ZEW und TNS Infratest im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).
Die Befragung der ZEW in den Branchen ITK (Hardware, technische Dienstleistungen, Beratung und Kreativwirtschaft) ergab, dass im Jahr 2013 bei flexiblen Arbeitsplatzmodellen das Home Office an erster Stelle lag, deutlich vor Coworking und Desk-Sharing (Arbeitsplatzteilung). Diese Modelle haben sich in Europa bislang noch nicht durchgesetzt.
Heimarbeit beispielsweise bieten zwar 57 Prozent der ITK-Firmen an, aber nur knapp zwölf Prozent der Angestellten nehmen diese Option wahr (siehe Abbildung). Als Hauptgrund für die geringe Nutzung solcher Angebote führen die Arbeitgeber an, dass die persönliche Anwesenheit ihrer Mitarbeiter unabdingbar sei. Darin sind sich die betrachteten Branchen mit einer Zustimmung von jeweils rund 80 Prozent weitgehend einig. An zweiter Stelle folgt das Argument, dass Home Office nicht zur Unternehmensphilosophie beziehungsweise Arbeitsweise passe. Das ZEW glaubt, dass viele Unternehmen in Zukunft umdenken müssen, wenn sie hochqualifizierte Fachkräfte gewinnen und halten wollen.
Die technischen Voraussetzungen für flexible Arbeitszeit- und Präsenzmodelle sind bei einem Großteil der Teilnehmer vorhanden. So zeigt die Umfrage, dass viele ihre Beschäftigten mit einem mobilen Internetzugang ausgestattet haben. In der ITK-Branche können beispielsweise 46 Prozent das mobile Internet nutzen, bis Ende 2014 sollen es 54 Prozent werden. Notebooks sind noch die am meisten eingesetzten Endgeräte, vor Smartphones und Tablets. Das dürfte sich künftig anders darstellen.
In diesem Zusammenhang stellen die IT-Sicherheit und rechtliche Fragen die Unternehmen naturgemäß vor große Herausforderungen. Aus ihrer Perspektive ist es zudem wichtig, dass die Digitalisierung der Arbeit zu einem positiven Unternehmensergebnis beiträgt. (jd)