Aktivitätstracker für Senioren
Das Start-up CarePredict will mit einem Bewegungssensor Gesundheitsgefahren für alte Menschen gezielt frühzeitig erkennen.
- Susan Young
Das Start-up CarePredict will mit einem Bewegungssensor Gesundheitsgefahren für alte Menschen gezielt frühzeitig erkennen.
Das neueste Mobilgerät fürs Handgelenk ist nicht für Fitnessfreunde oder Lifelogger gedacht. Stattdessen wird das Gerät des US-Start-ups CarePredict für Senioren vermarktet, die in ihrer gewohnten Umgebung leben bleiben wollen.
Noch in diesem Jahr möchte die Firma aus Florida mit der Auslieferung des ersten Modells seines neuen drahtlosen Trackingsystems beginnen. Mit dem Sensor sollen Verwandte und Pflegekräfte rechtzeitig gewarnt werden, wenn eine Verschlechterung des Gesundheitszustands droht. Das System setzt sich aus einem Gerät für das Handgelenk und Empfangsmodulen zusammen, die an den Wänden der Wohnung angebracht werden. So lässt sich die Aktivität des Trägers von Raum zu Raum erkennen und Alarm schlagen, sollten sich verdächtige Lebensmusterveränderungen ergeben.
Die Hersteller von Smartwatches, Fitnesstrackern und anderen trendigen Wearable-Produkten setzten vor allem auf die Zielgruppe der jungen, aktiven Menschen. Doch einige Entwickler glauben, dass es ein großes Potenzial bei einer neuen Zielgruppe gibt – alten und kranken Menschen.
Produkte, die Senioren helfen, ihren unabhängigen Lebensstil zu pflegen, indem sie ständig mit ihren erwachsenen Kindern und anderen Hilfspersonen in Verbindung bleiben, könnten einen riesigen Markt darstellen, hofft man bei CarePredict. Das glaubt auch Joseph Coughlin, Direktor des Altersforschungslabors AgeLab am MIT. Gleich mehrere Firmen arbeiten in diesem Bereich, setzen etwa auf neuartige Gesundheitsmonitore, Bewegungssensoren oder gar Sensoren im Teppich, die einen veränderten Gang feststellen können.
Das CarePredict-System kann erfassen, in welchem Raum der Benutzer ist. "Das ist kein Fitbit für die Oma", meint Satish Movva, Chef und Gründer der Firma unter Verweis auf den populären Sporttracker. Neben dem am Handgelenk getragenen Gerät werden vier kleine Beacons, die sich per Klebefolie an der Wand befestigen lassen, mitgeliefert. Sie erkennen dann, ob sich jemand in der Küche, dem Bad, dem Schlafzimmer oder dem Wohnzimmer befindet. Die Module senden Bewegungsdaten an eine Zentrale, die ebenfalls im Haus platziert wird. Von dort aus geht es dann zur Analyse und Speicherung ins Internet.
Die Ergänzung des Ortskontextes zu den Aktivitätsdaten sei von zentraler Bedeutung, sagt Movva. "Wenn jemand im Schlafzimmer liegt, schläft er vermutlich. Bleibt jemand im Badezimmer, gibt es womöglich ein Problem." Der am Handgelenk getragene Sensor kann Armbewegungen, Körperhaltung und Schrittgeschwindigkeit messen.
Nachdem das System installiert wurde, lernt es erst einmal sieben Tage lang die normalen Aktivitätsmuster seines Benutzers. Wenn es später Veränderungen in diesem Standardverhalten erkennt, sendet CarePredict eine Textnachricht, E-Mail oder Push-Botschaft an eine vorher vermerkte Person. Die Hoffnung dabei ist, dass sich kleine Veränderungen wie ein langsameres Gehmuster nutzen lassen, um schwerwiegendere Probleme rechtzeitig zu erkennen – etwa die Gefahr von Stürzen. "Wenn wir Abweichungen und Anomalien erkennen, können wir eingreifen.", sagt Movva.
Eine neue Technik für Senioren muss aber erst einmal Nutzer finden, sagt Forscher Coughlin. "Bei älteren Menschen ist der Einsatz neuer Systeme, mit denen Krankheiten gemanagt und Lebensabläufe gesichert werden können, normalerweise enorm langsam." An der Benutzerfreundlichkeit liegt das oft nicht. "Es geht eher darum, was die Technik über den Benutzer aussagt. Niemand will sich selbst als fragil und behindert erfahren." Deshalb müsse es Anreize geben, etwa soziale Elemente, damit ein Stück Privatsphäre für eine bessere Gesundheitsvorsorge aufgegeben wird. "Viele Ideen sind technisch gut, doch zentrale Zutaten wie Mode, Spaß und Freunde fehlen", sagt Coughlin.
CarePredict will mindestens den Bereich Mode adressieren. Movva entwickelte das System, nachdem er erkannt hatte, wie sich der Gesundheitszustand seiner Eltern von Woche zu Woche drastisch ändern konnte. Er hofft nun, dass er solche Probleme besser behandeln kann, wenn er sie früher erfährt. Doch seine Mutter würde keinen Tracker tragen, wenn der nicht auch schön aussieht, sagt er. Entsprechend wirken die bisher gezeigten Designs von CarePredict fast wie Schmuck oder eine teure Uhr. (bsc)