Forscher ermitteln weiteren genetischen Risikofaktor für Haarausfall
Das zweite "Glatzen-Gen" sitzt auf Chromosom 20, haben zwei internationale Wissenschaftlerteams herausgefunden.
So wenig tröstlich es für Glatzenträger auch sein mag: Zwei internationale Forscherteams haben unabhängig voneinander einen zweiten Erbgut-Faktor ermittelt, der das Risiko, an Haarausfall zu leiden, deutlich erhöht. Die beiden Wissenschaftlergruppen fanden genetische Variationen auf dem Chromosom 20, die mit der am häufigsten vorkommenden erblichen Haarausfallserscheinung zusammenhängen dürften, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Hoffnung ist nun, dass sich daraus in den nächsten Jahren Ansatzpunkte für eine Gentherapie finden lassen.
Die aktuellen Untersuchungen bieten einen tieferen Einblick in die genetische Herkunft des androgenetischen Haarausfalls – und zeigen außerdem, warum mancher Mensch bis ins hohe Alter noch einen vollen Haarschopf besitzt. Tim Spector vom King's College in London glaubt, dass die Bestimmung genetischer Variationen, die mit Haarausfall einhergehen, eines Tages neue Behandlungsmethoden hervorbringen werde. Der Risikofaktor auf dem Chromosom 20 biete ein "spannendes neues Ziel" dafür, meint er. Mit Gentests könne man dann Betroffene frühzeitig identifizieren und ihnen eine Behandlung anbieten.
Der sogenannte androgenetische Haarausfall, der eine starke erbliche Komponente hat, betrifft sowohl Männer als auch Frauen – 40 Prozent aller Erwachsenen, um genau zu sein. Es gibt zwar inzwischen einige Medikamente, die den Haarverlust bremsen können und bei einigen Betroffenen sogar zu neuerlichem Haarwuchs führen, doch hält die Wirkung nie permanent an. Beendet ein Patient die Einnahme, fällt das Haar doch aus. Dann bleibt nur noch eine schmerzhafte Haartransplantation oder das Tragen eines Toupets oder einer Perücke.
Die Entdeckung des neuen "Glatzen-Gens" ist auch aus einem anderen Grund interessant – androgenetischer Haarausfall führt nämlich bei den Betroffenen auch zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Herzerkrankungen, Insulinresistenz und verschiedenen weiteren Erkrankungen des Stoffwechselsystems. Forscher haben den genauen Zusammenhang noch nicht ermittelt, doch sei die Wahrscheinlichkeit genetischer Gründe hoch, wie Axel Hillmer vom Genome Institute of Singapore meint, der an der Uni Bonn eines der beiden Teams leitete, die die neuen Kandidaten auf Chromosom 20 ermittelten. Hillmer genotypisierte mehrere hundert Männer, deren Glatzenbildung vor dem 40. Geburtstag begann. Das Forscherteam fand dabei fünf Variationen des Chromosoms 20, die stark mit androgenetischem Haarausfall in Verbindung standen. Noch ist das Rätsel aber nicht vollständig gelöst. "Unser Ziel ist es, letztlich alle Gene zu identifizieren, die an dem Prozess beteiligt sind", sagt Hillmer.
Mehr zum Thema in Technology Review online:
(bsc)