Profit trotz Rechteverletzung
Mehrere US-Firmen versuchen, Werbung auch dann in Inhalten zu platzieren, wenn diese über Tauschbörsen und andere vormals unerwünschte Wege verteilt wurden.
Der Versuch, die urheberrechtlich korrekte Verteilung von Texten, Videos oder auch Spielen im Netz sicherzustellen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Wird ein illegales Stückchen Inhalt irgendwo entfernt, tauchen an anderer Stelle gleich zwei weitere auf. Aus diesem Grund geben einige US-Firmen nun den Versuch auf, gegen die wilde Kopiererei vorzugehen. Stattdessen suchen sie nach Wegen, das Phänomen für sich zu nutzen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Sie haben Werkzeuge entwickelt, um auch dann noch Geld über Werbung zu verdienen, wenn Inhalte an vormals unerwünschten Orten im Netz auftauchen.
Das Unternehmen Attributor, einst zum Aufspüren von Urheberrechtsverstößen an Online-Texten gegründet, geht das Kopierproblem auf zwei Wegen an. Erstens arbeitet die Firma mit Online-Werbenetzwerken zusammen, um Umsätze mit den Besitzern der Inhalte zu teilen, deren Material auf reklamefinanzierten Angeboten auftaucht. Attributor testet außerdem Code, mit dem Anzeigen an einen Artikel "angeheftet" werden können, egal wo er erscheint. Eine Site kann den Text dann mit Erlaubnis des Erstellers verwenden, muss den Code aber mit übernehmen. Noch ist allerdings einiges unklar, etwa, welche Mindestumsatzsumme ein Inhalteanbieter dafür akzeptieren sollte.
Doug Knopper, Mitbegründer und Co-CEO der Video-Werbefirma FreeWheel, glaubt wiederum, dass der Schlüssel zur Reduzierung illegaler Kopien darin liegt, den Nutzern genügend legale Möglichkeiten zu geben, sich Material im Netz anzusehen. "In einer werbefinanzierten Welt will man doch ein Publikum haben und erreichen, dass ein Video möglichst weit verbreitet wird und möglichst viele Zuschauer bekommt." Der Trick liege nun darin, die Ausdehnung zu steigern, ohne dabei Geld zu verlieren. FreeWheel hat deshalb eine Technik entwickelt, die in den Abspielprogrammen von Video-Websites wie Joost, Veoh oder BlipTV steckt und Reklame nach den Regeln einblendet, die die Inhalteersteller aufgestellt haben. Knopper denkt auch noch weiter: Er will BitTorrent und andere einst als Piratennester beschimpfte Dateitauschbörsen nutzen, um werbefinanzierte legale Downloads anzubieten.
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(bsc)