USA: Preisschub bei Biosprit befĂĽrchtet
Ernteausfälle und schlechtes Wetter im Mittleren Westen bedrohen die Ethanol-Produktion.
Schwere Regenfälle, Überflutungen und allgemein sehr kühles Wetter im Mittleren Westen der USA werden in dieser Saison mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem geringeren Mais-Output führen. Das amerikanische Agrarministerium reduzierte seine Erntevorhersage bereits von 12,1 Milliarden auf 11,7 Milliarden Bushel Mais – das sind immerhin 390 Millionen weniger als ursprünglich geplant. Sollten die Schätzungen zutreffen, dürfte das Maisangebot für das nächste Jahr das niedrigste seit der letzten großen Erntekrise Mitte der Neunzigerjahre werden. Das könnte den bereits auf Rekordniveau angesiedelten Biospritpreis noch weiter in die Höhe treiben, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Mais ist nach wie vor der Hauptrohstoff für Ethanol, den in den USA meistverwendeten Treibstoff aus nachwachsenden Energien. Der hohe Maispreis sorgt bereits jetzt dafür, dass die Marge der Ethanol-Produzenten kräftig sinkt. Beim heutigen Stand der Dinge bildet der Einkaufspreis für Mais bereits 76 Prozent der Gesamtkosten für den Biotreibstoff ab. Der hatte sich von 2 Dollar pro Bushel vor zwei Jahren auf 4 Dollar im Januar hochgeschraubt; aktuelle Futures liegen gar bei 7 Dollar.
Steigen die Maispreise weiter – es gibt Vorhersagen, die gar von 8 Dollar pro Bushel ausgehen – könnte es zu ernsten Problemen in der Branche kommen. Wallace Tyner, Professor für Agrarökonomie an der Purdue University, hält dann Werksschließungen für realistisch. Ethanol-Produzenten in den Vereinigten Staaten stellten im vergangenen Jahr insgesamt 24 Milliarden Liter Ethanol her. Sind die Ernteausfälle schwerwiegend genug, könnte die Produktion um bis zu 3,7 Milliarden Liter absinken, meint Tyner. In Bereichen, die bereits jetzt stark auf Ethanol setzen, würde dies die Treibstoffkosten weiter erhöhen. Hinzu kommt ein verstärkter Druck auf die Lebensmittelpreise, denn US-Farmer verfüttern mit Vorliebe Mais an ihr Zuchtvieh. Fleisch könnte so um weitere 10 Prozent zulegen, glauben Experten.
Bis jetzt konnte der Preisanstieg für fossile Energieträger den Kostenschub beim Mais für die Ethanolproduzenten noch kompensieren: Die Nachfrage stieg deutlich an. Douglas Tiffany, Research Fellow an der University of Minnesota, schätzt, dass zumindest einige der großen Ethanolproduzenten einen Maispreis von 9,5 Dollar pro Bushel überleben könnten, sollte der Ölpreis bei über 130 Dollar bleiben. Für die Lebensmittelproduktion sind die Auswirkungen dieses Kostenschubs hingegen noch gar nicht absehbar.
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(bsc)