Erneut Millionenstrafe fĂĽr MySpace-Spammer

Die MySpace-Betreiber haben in den USA erneut eine Millionensumme als Entschädigung für widerrechtliche Spammer-Aktivitäten auf dem beliebten Community-Portal zugesprochen bekommen. Aber der jüngste Fall deckte auch erhebliche Missstände bei MySpace auf.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Die Betreiber der Social-Networking-Plattform MySpace haben in den USA erneut eine Millionensumme als Entschädigung für widerrechtliche Aktivitäten von Spammern auf dem beliebten Community-Portal zugesprochen bekommen. Wie schon im Fall des selbsternannten "King of Spam" Sanford Wallace und seinem Partner Walter Rines, die von einem kalifornischen Gericht im Mai zur Zahlung von insgesamt 230 Millionen US-Dollar verdonnert worden waren, ging es auch diesmal um das Kapern von MySpace-Konten per Password-Phishing, über die dann massenweise unerwünschte Werbemails an andere MySpace-Mitglieder verschickt wurden. Angeklagt war Scott Richter, ein ebenfalls als "Spam King" bekannter Geschäftsmann aus dem US-Bundesstaat Colorado, der über seine Firma Media Breakaway millionenfach Spam-Mails mit Webseiten-Werbung bei MySpace eingeschleust hatte.

Doch anders als Wallace, der in seinem Verfahren vor allem durch Abwesenheit glänzte und auch Anordnungen des Gerichts nicht befolgte, so dass schließlich ein Säumnisurteil gegen ihn erlassen wurde, nahm Scott Richter das Heft selbst in die Hand. Nach der Anklageerhebung stellte er einen Antrag auf Überweisung seines Falles in ein Schiedsverfahren, dem der zuständige Bundesbezirksrichter auch entsprach. Fortan kümmerte sich ein vom Gericht bestellter Schlichter um den Fall, der unter anderem die von MySpace eingereichte Schadenersatzforderung rigoros zusammenstrich: Von den ursprünglich geforderten astronomischen 120 Millionen US-Dollar blieben letztlich nur 6 Millionen US-Dollar übrig, davon 1,2 Millionen für die Übernahme der Anwaltskosten der Gegenseite.

Aber der Schlichter deckte auch erhebliche Missstände bei MySpace auf, die es Richter und seinen Mitarbeitern offenbar leicht gemacht hatten, Spam-Wellen auf dem Community-Portal loszutreten. So waren beispielsweise zum Höhepunkt der Spam-Wellen Mitte 2006 lediglich zwei unerfahrene Nachwuchskräfte mit Sicherheitsaufgaben bei MySpace betraut – obwohl die Community damals schon auf 100 Millionen Nutzer angewachsen war. Inzwischen kümmert sich bei MySpace ein 40-köpfiges Team rund um die Uhr um die Sicherheit des Portals. Scott Richter erklärte gegenüber US-Medien, dass er die Entscheidung des Schlichters akzeptieren und die 6 Millionen Dollar bezahlen werde. Nachdem er im Jahr 2005 in einer ähnlichen Sache bereits 7 Millionen Dollar an Microsoft bezahlen musste, will er künftig dafür sorgen, dass seine Geschäftsaktivitäten innerhalb der gesetzlichen Grenzen bleiben. (pmz)