Agent HoeneĂź bleibt ehrlich
Eine Computersimulation soll klären, welche Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung helfen.
Eine Computersimulation soll klären, welche Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung helfen.
Spanische Wissenschaftler haben die Resultate kürzlich vorgestellt. Kein Scherz: So eine Wirtschaftssimulation ist eine feine Sache. Das Gesamtsystem - ein Haufen Menschen, die unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich handeln - lässt sich ja nicht einfach mit ein paar Gleichungen beschreiben. Also simuliert man ihr Handeln im Computer. Jedes einzelne Individuum - im Jargon „Agent“ genannt - muss pro Spielrunde einmal entscheiden, was er unter den gegebenen Bedingungen tut. Und dann diese Aktion durchführen.
Man muss sich das ein bisschen wie SimCity vorstellen, nur ohne die schöne Oberfläche: Da entscheiden die Agenten dann zum Beispiel, ob sie in einem bestimmten Stadtviertel leben wollen, oder nicht. Und - um bei der Nummer mit der Steuer zu bleiben - der Agent Hoeneß überlegt, was er in seine Steuererklärung schreibt. Dann geht es in die nächste Runde.
In einem Paper erklären die spanischen Forscher nun, was sie anders gemacht haben als bisher.

Demnach sind die Simulationen solcher Situationen bisher wohl meist von der „Rational Choice“-Theorie ausgegangen. Dabei berechnen die einzelnen Individuen schlicht die Kosten - also Strafzahlung und Gerichtskosten - gegen den Nutzen der Steuerhinterziehung. Neu ist nun, dass die Agenten berücksichtigen, wie gerecht sie sich vom Staat behandelt fühlen, wie die Kosten sind, und wie viele andere Agenten Steuern hinterziehen.
Mit dem Projekt wollen die Wissenschaftler tatsächlich untersuchen, welche politischen Maßnahmen bei solchen Problemen wie Steuerhinterziehung am wirksamsten sind. Das klingt jetzt ein bisschen weltfremd, aber ich kann mir vorstellen, dass es eine ganze Reihe von Politikern gibt, die glauben, dass so etwas tatsächlich funktioniert. Weil die Methode ja streng wissenschaftlich ist. Ganz objektiv, und nicht von irgendwelchen Interessen getrieben. Und Computer irren sich ja nie.
Die gute Nachricht ist: die Methode liefert offenbar keinen kompletten Unfug. Ein Resultat nämlich ist, dass es mehr bringt, öfter und schärfer die Steuern zu kontrollieren, als die Strafe für Steuerhinterziehung zu erhöhen. Das ist doch schon mal was. Vielleicht sollte mal jemand in Berlin das Paper lesen. (wst)