Vodafone verliert offenbar Interesse an Tiscali
Die Vodafone Group galt als einziger Kaufinteressent für Tiscalis Breitbandgeschäft sowohl in Italien als auch in Großbritannien. Im März hatte Tiscali, dessen Marktwert auf rund 1,5 Milliarden Euro taxiert wird, seinen eigenen Verkauf eingeleitet.
Für den italienischen Breitband-Spezialisten Tiscali gestaltet sich die Suche nach einem Käufer für das Unternehmen offenbar problematischer als erwartet. Wie die Financial Times am heutigen Donnerstag berichtet, soll sich die Vodafone Group aus dem Bieterprozess zurückgezogen haben. Der britische Mobilfunkkonzern galt als einziger Interessent für Tiscalis Breitbandgeschäft sowohl in Italien als auch in Großbritannien. Tiscali ist der viertgrößte Internetanbieter Großbritanniens und generiert dort rund 70 Prozent seiner Umsätze. Im März hatte das Unternehmen, dessen Marktwert auf rund 1,5 Milliarden Euro taxiert wird, seinen eigenen Verkauf eingeleitet.
Italien und Großbritannien sind die einzigen verbliebenen Märkte des 1998 auf Sardinien gegründeten Unternehmens, das nach einer aggressiven Expansionspolitik innerhalb weniger Jahre bis zum drittgrößten Internetdienstleister Europas aufgestiegen war. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2004 war Tiscali in 15 europäischen Ländern sowie in Südafrika aktiv und zählte rund 7,8 Millionen aktive Kunden. Unter anderem Zahlungsschwierigkeiten zwangen das Unternehmen anschließend jedoch, sich nach und nach wieder aus Österreich, Frankreich, der Schweiz, Norwegen, Schweden, Südafrika, Belgien, Dänemark, Spanien, Deutschland, den Niederlanden und der Tschechischen Republik zurückzuziehen.
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2008 erwirtschaftete das Unternehmen bei Umsätzen in Höhe von 276 Millionen Euro einen Nettoverlust von knapp 40 Millionen Euro. Die Schulden beliefen sich zum Stichtag 31. März auf 542 Millionen Euro. Vodafone soll Medienberichten zufolge zunächst bereit gewesen sein, 1,6 Milliarden Euro für Tiscali auf den Tisch zu legen. Mit der Übernahme wollte der nach Umsatz weltgrößte Mobilfunkkonzern seine Festnetzaktivitäten weiter ausbauen. Laut Financial Times soll es dann aber Unstimmigkeiten über die Bewertung des italienischen Unternehmens gegeben haben. Ein Angebot habe Vodafone schließlich nicht mehr vorgelegt.
Als Interessenten für eine Übernahme entweder des italienischen oder des britischen Tiscali-Geschäfts werden unterdessen der drittgrößte Mobilfunkprovider in Italien Wind (Orascom-Gruppe), die Swisscom über das Tochterunternehmen Fastweb, die zur News Corporation gehörende British Sky Broadcasting (BSkyB) sowie die Carphone Warehouse Group gehandelt. Laut Financial Times soll Tiscali derzeit wenigstens ein Angebot vorliegen. Den Verkaufsprozess will das Unternehmen bis Ende Juni abgeschlossen haben. Größter Anteilseigner ist Tiscali-Gründer Renato Soru, der 25 Prozent des Unternehmens hält. Weitere 7 Prozent sind im Besitz der Sandoz Family Foundation, der Rest der Aktien befindet sich in Streubesitz. (pmz)