Humangenetiker warnt vor Online-Gentests
Wolfram Henn, Vorsitzender der Kommission für Grundpositionen und ethische Fragen der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik, warnt im Interview mit Technology Review vor persönlichen Genomanalysen, die über das Internet angeboten werden.
Wolfram Henn, Vorsitzender der Kommission für Grundpositionen und ethische Fragen der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik, warnt im Interview mit Technology Review (Ausgabe 07/08, seit dem 19. 6. am Kiosk oder online portokostenfrei zu bestellen) vor persönlichen Genomanalysen, die über das Internet angeboten werden. So bietet beispielsweise das Unternehmen 23andMe seit Kurzem eine Genomanalyse für nur 999 Dollar an, bei der das Genom allerdings nicht komplett sequenziert, sondern nach so genannten SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms) – Variationen von einzelnen Basenpaaren im DNA-Strang – gescannt wird. Die daran anschließende Analyse soll fast 600.000 genetische Varianten identifizieren und unter anderem Krankheitspotenziale beschreiben.
Henn kritisiert die "fragwürdigen medizinischen Interpretationen solcher Untersuchungen", macht aber vor allem Datenschutz-Bedenken gegen solche Angebote geltend: "Der andere Punkt ist der, dass die Daten aus Proben stammen, die irgendwohin verschickt und im Ausland von Nichtmedizinern analysiert werden, die keiner ärztlichen Schweigepflicht unterliegen", sagt Henn. "Trotz aller Versicherungen der Betreiber, Datenschutz zu betreiben, besteht doch die Gefahr, dass da in irgendeiner unerfreulichen Weise Daten, zum Beispiel bei einem Versicherungsunternehmen, bei einem Arbeitgeber oder einem Pharmaunternehmen landen. Ich rate dringend von so einem Test ab."
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(wst)