Wie die Energiewende gerettet werden kann
Das derzeitige Strommarkt-Modell gerät durch die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien an seine Grenzen. Reformpläne gibt es viele. Technology Review bewertet die wichtigsten Ideen.
In der vergangenen Legislaturperiode betrachtete Bundesumweltminister Peter Altmaier es als seine vornehmste Aufgabe, die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einzufrieren. Doch seine "Strompreisbremse" scheiterte im April 2013 am Widerstand der Länder. Nun unternimmt Wirtschaftsminister Sigmar Gebriel einen neuen Versuch. Er muss deutlich dickere Bretter bohren, denn die steigende EEG-Umlage ist nur eine von vielen Baustellen. Der gesamte Strommarkt muss dringend reformiert werden. Welche Möglichkeiten es hierfür gibt, fasst Technology Review in einer Analyse in seiner Online-Ausgabe zusammen.
Vier Hauptpunkte sieht das Magazin. So sollte der Strommarkt an die Erneuerbaren angepasst werden – und nicht umgekehrt. Die Regierung soll, ähnlich wie dies in Großbritannien geprobt wird, jedem Stromanbieter vorschreiben, einen von Jahr zu Jahr höheren Anteil an Ökostrom zu vertreiben, egal aus welcher Quelle. Auf diese Weise soll sich automatisch die günstigste Technik durchsetzen.
Die Ökostromförderung müsste zudem individueller gestaltet werden. Wenn zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen mit Ost- oder Westausrichtung eine höhere Einspeisevergütung bekämen, könnte dies die mittägliche Stromschwemme – und den damit einhergehenden Preisverfall – dämpfen.
Verbesserungsbedarf gibt es auch im Markt für Gas- und Wasserkraftwerke. Der Preisverfall an der Börse macht auch diese zunehmend unwirtschaftlich. Dabei sind sie gut geeignet, die fluktuierende Einspeisung von Erneuerbaren auszugleichen. Die Diskussion darüber, ob ein neuer Kapazitätsmarkt für diesen Bereich nötig ist und wie er aussehen soll, hat gerade erst begonnen.
Eine weitere Baustelle der Bundesregierung ist der Emissionshandel. Solange aber Kohlendioxid für weniger als sechs Euro pro Tonne in die Atmosphäre geblasen werden darf, laufen vor allem billige Kohlekraftwerke auf Hochtouren. Das kann die Bundesregierung nicht allein ändern – aber wenn sie es mit der Energiewende ernst meint, muss sie sich in der Europäischen Union für höhere CO2-Preise einsetzen. Das würde auch den Gaskraftwerken helfen, denn diese emittieren deutlich weniger Treibhausgase als Kohlemeiler.
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(bsc)