Mit Minisatelliten ins All
Berliner Forscher wollen die Erdbeobachtung fĂĽr fast jeden erschwinglich machen.
In einem nüchternen, kleinen Universitätsbüro in der Berliner Marchstraße haben Mitarbeiter des Fachbereichs Raumfahrttechnik das Kontrollzentrum für die Raumfahrtmission BeeSat-2 eingerichtet – ein Dutzend Computer auf weißen Schreibtischen, an der Wand zwei große Bildschirme. "BeeSat", das Akronym für "Berlin Experimental and Educational Satellite", ist ein Kleinsatelliten-Projekt der TU Berlin, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Genauer: ein Picosatelliten-Projekt – dabei handelt es sich um Satelliten mit einer Masse bis zu einem Kilogramm. BeeSat-1 wurde im September 2009 ins All gestartet, BeeSat-2 und -3 folgten im April 2013. Die würfelförmigen Gebilde wiegen zwischen 936 und 980 Gramm und haben eine Kantenlänge von zehn Zentimetern – der sogenannte CubeSat-Standard. Solche Kleinstsatelliten werden an Universitäten in aller Welt meistens von Raumfahrttechnik-Studenten und -Doktoranden zu Ausbildungszwecken gebaut und bei günstigen Gelegenheiten "huckepack" ins All gestartet, wenn es beim Start eines großen Satelliten in der Rakete noch freie Nutzlastkapazitäten gibt.
Damit öffnen sich völlig neue Möglichkeiten. "Durch ihr geringes Gewicht kann man mit Kleinstsatelliten einen großen Teil der Transportkosten einsparen", erklärt Klaus Brieß, Leiter der Abteilung Raumfahrttechnik an der TU Berlin. Er verweist darauf, dass es derzeit rund 20000 Euro kostet, ein Kilogramm Nutzlast ins All zu bringen. "Zudem können diese winzigen Satelliten viel schneller und wesentlich kostengünstiger entwickelt und außerdem besser in Serien gefertigt werden."
Hinzu kommt: Mit Satelliten bis zu zehn Kilogramm Gewicht werde man schon bald ganze Netzwerke im All aufbauen können. "Solche Schwärme können kostengünstig zum Beispiel eine viel umfassendere und effizientere Erdbeobachtung vornehmen als ein großer, teurer Satellit, der nur alle 24 Stunden oder alle paar Tage über einen bestimmten Punkt der Erde fliegt", meint Brieß.
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(bsc)