Nokia setzt auf das Internet der Dinge

Nach dem Abschluss der Übernahme der Mobilfunk-Abteilung von Nokia wird der finnische Konzern ein anderes Unternehmen sein. Als "Nokia Advanced Technologies" wollen die Finnen den Schwerpunkt auf das Entwicklungs- und Lizenzgeschäft legen.

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Von
  • David Talbot

Nach dem Abschluss der Übernahme der Mobilfunk-Abteilung von Nokia wird der finnische Konzern ein anderes Unternehmen sein. Als "Nokia Advanced Technologies" wollen die Finnen den Schwerpunkt auf das Entwicklungs- und Lizenzgeschäft legen.

Nokia besitzt mehr als 30.000 Patente, darunter viele grundlegende fĂĽr die drahtlose Kommunikation ebenso wie in den Bereichen Materialien, Nanowissenschaften und Software.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona sprach Technology Review mit Nokias technischem Geschäftsführer Henry Tirri darüber, wie sich der einst dominante Handy-Gigant mithilfe des Internets der Dinge neu erfinden will.

Technology Review: Auf welche Technologien will sich Nokia Advanced Technologies konzentrieren, Herr Tirri?

Henry Tirri: Wir stellen uns eine programmierbare Welt vor. Für mich bedeutet das weit mehr als nur eine Computer-Revolution wie in der Vergangenheit. Was wird in unserem Zuhause passieren, in unserem vernetzten Auto, mit unseren Wearables? Kein Gerät arbeitet heute noch isoliert. Man greift auf dieselben Dinge zurück, egal ob vom Laptop, Tablet oder Smartphone.

Viele Smartphone-Apps sind heute schon kaum etwas wert, wenn sie nicht mit Cloud-Diensten verbunden sind. Dasselbe wird in Zukunft für andere Alltagsdinge gelten. Wenn man wie ich an eine solche Vision glaubt, dann werden zukünftig viele unserer Technologien diese Entwicklung mitgestalten können.

TR: Zum Beispiel?

Tirri: Bluetooth Low Energy etwa: Das ist eine mit Bluetooth kompatible Funktechnik mit besonders niedrigem Stromverbrauch. Jede moderne Sensor-App auf einem Smartphone wird sie nutzen.

Ein Großteil der Entwicklung fand in unseren Laboren statt. Andere Gebiete werden tragbare Sensoren sein, zum Beispiel die Kunsthaut E-Skin. Sie erspürt biologische Parameter wie Druck oder Wärme im Nanobereich und kann zur Überwachung des Gesundheitszustandes dienen. Und dann werden wir insbesondere mit dem Kohlenstoffmaterial Graphen – wir gehören zu den Gründern der entsprechenden EU-Flaggschiff-Initiative – neuartige Computer und Sensoren entwickeln. Zu all dem gehört selbst-verständlich auch die entsprechende Software.

TR: Warum bauen Sie keine neuen Produkte? Nokia muss sich doch nicht zum ersten Mal neu erfinden.

Tirri: Advanced Technologies wird von einer Abteilung innerhalb der Gesellschaft zu einem eigenständigen Unternehmen – das bedeutet einen fundamentalen Wandel. Die Technologie-Lizenzierung sowie Forschung und Entwicklung werden direkt ins Business eingebunden, statt davon abgekoppelte Teams zu sein. Wir werden im Übrigen neue Produktfelder erkunden. Entweder, um selbst etwas zu entwickeln, oder als mögliche Technik-Lizenzgeber für andere.

Wir haben bereits eine ganze Produktpalette, die wir im Lauf der letzten 20 Jahre für 50 Milliarden Euro entwickelt haben. Wir wollen auch Technologien und Produkte zusammen mit Kunden wie Qualcomm oder ARM erarbeiten. Da wir unsere Geräteherstellung ausgliedern, können wir zum Beispiel eine bildgebende Technik für Kamerahersteller lizenzieren oder Netzwerktechnologie für Wearables. Einige Technologien in unserem Portfolio haben wir extra nicht lizenziert, um sie speziell für unsere Produkte zu reservieren.

TR: Wovon wollen Sie sich verabschieden?

Tirri: Es ist noch zu frĂĽh, um das zu sagen. Aber einige Technologien wie Schnittstellen fĂĽr Handynutzer werden wir wohl nicht weiterverfolgen. Doch das mĂĽssen wir genauer prĂĽfen, wenn die Transaktion mit Microsoft beendet ist. (bsc)