Defizite bei Patientendiensten der Online-Riesen
Google versucht mit Macht, ins Geschäft mit elektronischen Gesundheitsakten vorzudringen. Doch die Technologie hat noch ihre Tücken, wie ein Selbstversuch zeigt.
Anbieter elektronischer Gesundheitsakten, darunter auch Google und Microsoft, arbeiten in den USA mit einer wachsenden Anzahl von Apotheken, Gesundheitsversorgern und Internet-Diensten zusammen, um Patienten den Online-Zugriff auf ihre Krankengeschichte zu ermöglichen und den allgemeinen Informationsfluss medizinischer Daten zu verbessern.
Die Bemühungen kommen genau zur rechten Zeit: Präsident Barack Obama sieht in seinem Konjunkturpaket insgesamt 19 Milliarden Dollar für die Digitalisierung des amerikanischen Gesundheitswesens vor. Doch so stark gehypt das Thema auch derzeit zu werden scheint: Noch ist unklar, ob und welche positiven Auswirkungen die Bemühungen auf die Patientenversorgung wirklich haben werden.
Technology-Review-Reporterin Emily Singer hat einen Selbstversuch gewagt und als Versicherte des US-Gesundheitsversorgers Blue Cross Blue Shield das Angebot des Suchmaschinenriesen, Google Health, getestet. Ihr Ergebnis: Zwar erweist sich die zentrale Eingabe der Daten an einem Ort als praktisch, doch ist die Benutzerfreundlichkeit des Dienstes keineswegs optimal. So tauchten ihre chronischen Rückenbeschwerden gleich unter mehreren Abrechnungscodes auf. "All das ergibt nicht gerade ein verständliches Bild meines aktuellen Zustandes und der Behandlungsformen, die ich bislang erhielt. Aber vielleicht würde das ein ausgebildeter Arzt ja ganz anders sehen", meint Singer.
Ebenfalls problematisch war die Darstellung von Alternativmedikamenten, die Google dank einer Zusammenarbeit mit mehreren US-Apothekenketten anbietet. "Als ich eine der Funktionen nutzte, um nach einem billigeren Asthmamittel zu suchen, wurde mir unter anderem ein Medikament angeboten, das Ärzte seit Jahren kaum mehr verschreiben, weil es unangenehme Nebenwirkungen hat."
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(bsc)