Turbo für drahtlose Netze

Das US-Militär arbeitet ab einem neuartigen Protokoll für drahtlose Netze, das bis zu fünfmal effizienter arbeiten soll als konventionelle Systeme. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.

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Das US-Militär arbeitet ab einem neuartigen Protokoll für drahtlose Netze, das bis zu fünfmal effizienter arbeiten soll als konventionelle Systeme. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 07/08 (seit dem 19. 6. am Kiosk oder online portokostenfrei zu bestellen). Innerhalb des nächsten Jahres will die US-Militärforschungsbehörde DARPA die Technik deshalb nun in Feldtests auf der Militärbasis Fort A. P. Hill in Virginia überprüfen.

Das Forschungsvorhaben ist Teil eines Projekts zur Schaffung einer neuen Generation mobiler Ad-Hoc-Netzwerke, die sich automatisch selbst konfigurieren können. Sie sollen die taktische Kommunikation zwischen Soldaten und Militärfahrzeugen beschleunigen und vor allem zuverlässiger machen.

Das Projekt demonstriert das Potenzial eines neuen Forschungsfeldes, das sich "Network Coding" nennt, wie Muriel Medard, Dozentin für Elektrotechnik und Computerwissenschaften am MIT erklärt, die zusammen mit BAE Systems an dem neuen Netzwerkprotokoll arbeitet.

Als Teil eines von der DARPA finanzierten Forschungsprogramms nutzten BAE und MIT nun diese Prinzipien, um Protokolle zu entwickeln, mit denen Informationen zuverlässig an verschiedene Zielorte geschickt werden können. In einem konventionellen Netzwerk wäre jeder Knoten gleichzeitig auch ein Router, der nicht für ihn bestimmte Informationen an ihren Zielort weiterleitet. Beim DARPA-Projekt senden alle Knoten jedoch stets Informationen an alle anderen Knoten.

In einer Simulation, bei der ein taktisches mobiles Netzwerk über drahtgebundene Ethernet-Strukturen emuliert wurde, versuchten die Forscher nun zu ermitteln, welche Auswirkungen das Protokoll auf die notwendige Bandbreite hat. Die Simulation verwendete alle wichtigen Daten, die vom Militär verwendet werden – Sprache, Videoströme, strategische Informationen. Geprüft wurden außerdem schwierige Bedingungen, etwa Störungen oder Verbindungsabrisse.

Die Forscher fanden dabei heraus, dass sich die Bandbreite auf nur ein Fünftel der in einem konventionellen Netzwerk notwendigen Bandbreite reduzieren ließ, ohne dass es zu Qualitätseinbußen kam. In den nun folgenden Feldtests soll übergeprüft werden, ob die Protokolle vielleicht auch verwendet werden können, um mehr Daten über bestehende Funknetze zu übertragen, als dies mit heutigen Standardtechnologien möglich ist. (wst)