Erneuerbare Energie vom offenen Meer
StatoilHydro und Siemens arbeiten an Windkraftanlagen, die weit vor der Küste platziert werden können.
Schwimmende Windkraftanlagen, die weit vor der Küste platziert werden können, sollen bald zur kommerziellen Realität werden. Vor wenigen Wochen kündigte der norwegische Öl- und Gas-Riese StatoilHydro zusammen mit dem deutschen Siemens-Konzern ein Projekt an, das die erste produktionsreife Großanlage in tiefen Gewässern hervorbringen soll. 78 Millionen Dollar will StatoilHydro investieren, um eine Siemens-Turbine in mehr als 200 Meter tiefem Wasser zu verankern, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Das entspricht einem Zehnfachen der herkömmlichen Wassertiefe konventioneller Offshore-Systeme. Das Windrad soll auf einer Plattform montiert werden, wie man sie sonst nur aus der Öl- und Gas-Förderung kennt.
Bis Ende 2009 soll die 2,3 Megawatt-Anlage in der Nordsee stehen – rund zehn Kilometer vor Karmoy an der Südwestspitze Norwegens. Die Leistung ist eher mager, wenn man sie mit den über 1000 Megawatt vergleicht, die derzeit in anderen europäischen Offshore-Windparks installiert sind. Dennoch könnte der Demonstrationscharakter des Projekts, das beweisen soll, dass eine solche Anlage in tiefen Gewässern funktionieren kann, das Wachstum der Branche stark ankurbeln. Anne Strommen Lycke, Vizepräsidentin für Windkraft bei StatoilHydro, betont, dass die Zahl verfügbarer Flächen für die Technologie auf dem Land und in flachen Gewässern vor der Küste stetig schrumpfe: "Entweder ist da schon etwas gebaut worden, es gibt politischen Widerstand oder man hat es mit schwierigen geologischen Verhältnissen zu tun." Hinzu komme, dass in Regionen wie Kalifornien, Japan oder Norwegen kaum Küstenbereiche mit geringen Wassertiefen vorhanden seien.
Bedeutsam an dem Projekt ist auch, dass vor allem Standardtechnik verwendet wird, um die Kosten im Rahmen zu halten. So soll eine 165 Meter hohe Spierentonne verwendet werden, die sich an der Gestaltung von Öl- und Gas-Plattformen orientiert, wie sie etwa im Golf von Mexiko stehen. Sie trägt eine Standard-Siemens-Turbine, wie sie der Konzern seit Längerem in Serie produziert. Die sei "sehr robust und breit getestet", meint Lycke. Der Einsatz der Standardtechnologie werde dabei helfen, das Konzept schwimmender Windparks zu optimieren. "Wir testen nämlich nur eine Sache: Ob sich die Anlage im Wasser so verhält, wie wir das vorhersagen."
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(bsc)