Suche nach multinationaler Alternative zu Gorleben
Während die politische Auseinandersetzung um eine Atommüll-Deponie in Deutschland nicht von der Stelle kommt, forcieren kleinere europäische Staaten eine multinationale Lösung.
Mit einer gemeinsamen internationalen Atommüllkippe ließen sich nicht nur Milliarden von Euro einsparen, auch die Sicherheit einer solchen Deponie sei größer als die von vielen kleineren Anlagen. Dies sagt Charles McCombie, Geschäftsführer der nichtkommerziellen Organisation Association for Regional und International Underground Storage (Arius) dem Technologiemagazin Technology Review in einem Interview für Ausgabe 12/2008 (ab Donnerstag am Kiosk oder ab sofort hier online zu bestellen).
Gut 50 Jahre nach der Inbetriebnahme des ersten Kernkraftwerks ist man der Frage, wo der Atommüll gelagert werden soll, kaum näher gekommen. Im Gegenteil: Die Endlager-Suche steht wieder ganz am Anfang. Multinationale Konzepte, wie sie die internationale Atomenergieagentur befürwortet, kommen nur langsam voran. Doch das Dogma, jedes Land habe seinen eigenen Atommüll selbst zu entsorgen, beginnt zu wanken.
Das Unternehmen Pangea Resources hatte bereits 1999 Pläne für eine internationale Deponie vorgelegt: Wegen anhaltenden politischen Widerstands wurde das Projekt, das Australien als Standort favorisierte, jedoch 2002 begraben. Allerdings entstand noch im selben Jahr auf Initiative von Pangea eine nichtkommerzielle Organisation namens Arius. Diese konzentriert sich nun zunächst auf Europa, wo sie das Konzept eines "multinationalen" Endlagers kleiner und mittlerer Staaten propagiert. "Es gibt keine technischen Hindernisse für solch ein Konzept", sagt Arius-Geschäftsführer Charles McCombie. "Milliarden von Euro" ließen sich insgesamt mit einer solchen Anlage einsparen.
Langfristig sei auch die Sicherheit einer solchen Deponie größer als die von vielen kleineren Anlagen. Im kommenden Jahr will Arius eine Arbeitsgruppe kleinerer europäischer Staaten etablieren, die den konkreten Rahmen wie Struktur und Etat für eine Organisation absteckt, die dann ein Konzept für eine solche multinationale Deponie entwickeln soll. "Deswegen haben wir in diesem Sommer 15 EU-Regierungen kontaktiert und von zehn bereits Zusagen bekommen", sagt McCombie. Dass sich auch Länder mit großem Atomprogramm wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien an einem solchen Programm beteiligen, hält er allerdings für unwahrscheinlich.
Die Frage, wo eine solche Deponie errichtet werden könnte, ist noch vollkommen offen – mit Absicht, sagt McCombie: "Ich verwende Deutschland gern als Beispiel: Rückblickend war die Entscheidung für Gorleben verfrüht", sagt er. Man wolle nun "auf gar keinen Fall" ein "Gorleben auf einer multinationalen Ebene" riskieren. (wst)