Laser-"Tricorder" spĂĽrt Bakterien auf
Fraunhofer-Wissenschaftler arbeiten an einem tragbaren Gerät mit Cloud-Anschluss, das Kontaminationen von Wunden erkennen kann.
Forscher am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) in Berlin arbeiten nach der Entwicklung eines Geräts, mit dem sich die Frische von Lebensmitteln per Spektralanalyse ermitteln lässt, nun auch an einem neuartigen Wundscanner, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Der IndigoSCAN soll den Bakterienbefall per Laserlicht und einem miniaturisierten Raman-Spektroskopie-Verfahren erkennen. Dabei wird die sogenannte Raman-Streuung gemessen, mit der sich Eigenschaften von Materialien ermitteln lassen. Genauer gesagt handelt es sich um die Lichtstreuung an Festkörpern und Molekülen, die Rückschlüsse auf ihren Aufbau zulässt.
Beim FreshSCAN werden Laserstrahlen auf rohes, unterschiedlich lang gelagertes Fleisch geschossen. Ein kleiner Teil der Lichtteilchen wird nicht einfach reflektiert, sondern tritt in Wechselwirkung mit den Fleischproteinen und den Molekülen der Bakterien: Es kommt zu einer Energieübertragung, sodass sich die Wellenlänge des zurückgestreuten Laserlichts ändert – je nach Zustand des Fleisches in charakteristischer Weise. Ob der IndigoSCAN genauso arbeitet, verraten die IZM-Forscher allerdings bislang nicht.
Zusätzlich eingebaut ist auch eine kompakte Kamera, mit der sich dreidimensionale Bilder einer Wunde erstellen lassen, um Heilungsprozesse zu dokumentieren. Die gewonnenen Daten können per Internet auch weitergegeben werden. So ist vorstellbar, dass ein Laie die Wunde mit dem IndigoSCAN erfasst, ein Arzt dann anhand dieser Daten in einem entfernt liegenden Krankenhaus die Diagnose stellt und Anweisungen zur weiteren Behandlung gibt. Die Markteinführung des Wundscanners ist für Ende nächsten Jahres angedacht.
Viel Strom braucht der IndigoSCAN nicht: Er ist laut IZM sogar spezifisch für die häusliche Nutzung konzipiert. Neben IndigoSCAN und FreshSCAN arbeiten die IZM-Forscher auch noch an einem dritten Gerät, dem RF-KombiSCAN. Dieser kann Anzahl der vorhandenen Bakterien in einer Probe ebenso ermitteln wie deren Stamm. Das soll aufwendige Labortests sparen.
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(bsc)