Wissenschaftlicher Streit um Biosprit geht in neue Runde
Ă–sterreichische Agrar-Experten haben erhebliche Zweifel an der inzwischen ĂĽblichen negativen Bewertung von Biosprit angemeldet.
- Niels Boeing
- Dr. Wolfgang Stieler
Ă–sterreichische Agrar-Experten haben erhebliche Zweifel an der inzwischen ĂĽblichen negativen Bewertung von Biosprit angemeldet. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 12/08 (seit heute am Kiosk oder hier portokostenfrei online zu bestellen)
Um die Widersinnigkeit von Pflanzenenergie zu beweisen, werden häufig globale Abschätzungen gemacht, wie viel Fläche überhaupt zur Verfügung steht: Zieht man von den 51 Milliarden Hektar großen Landgebieten der Erde Wüsten, Savannen, Gebirge, Regenwälder und Siedlungen ab, bleiben nur 2 Milliarden Hektar Grasland übrig, von denen 700 Millionen nicht genutzt werden. Berücksichtigt man das rasante Wachstum der Städte, würden 2030 im besten Fall 295 Millionen Hektar zur Verfügung stehen, hat der schwedische Forstwissenschaftler Sten Nilsson berechnet. Damit ließe sich nur ein Zehntel des Weltenergiebedarfs decken.
Doch Energieproduktion und Lebensmittelerzeugung ließen sich auf denselben Flächen in einem erheblichen Ausmaß kombinieren, haben Agrarwissenschaftler der Universität für Bodenkultur in Wien herausgefunden – und zwar "ohne die herkömmlichen ökonomischen Folgeschäden", wie Thomas Amon in einer aktuellen Publikation schreibt.
Um das zu erreichen, schlagen Amon und Kollegen eine "integrierte Fruchtfolge" aus Energie- und Nahrungspflanzen vor. Zur Biogaserzeugung würden nicht nur die Energiepflanzen, sondern auch die nicht verwertbaren Reste aus der Lebensmittelerzeugung, wie gemähtes Gras, Biomüll oder Gülle verwendet. Mit Hilfe von Bioraffinerien ließe sich aus dem Biogas auch Bioethanol erzeugen. Auf den 93 Millionen Hektar Anbaufläche der EU ließen sich so insgesamt 302 Millionen Tonnen Rohöleinheiten gewinnen – das entspricht 92 Prozent des gesamten Energiebedarfs des europäischen Straßenverkehrs. (Niels Boeing) / (wst)