Millennium Technology Prize 2014 für Festplattenpionier

Die von der finnischen Akademie für Technologie vergebene Auszeichnung geht in diesem Jahr an den britischen Forscher Stuart Parkin.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Die von der finnischen Akademie für Technologie vergebene Auszeichnung geht in diesem Jahr an den britischen Forscher Stuart Parkin.

Die Technology Academy Final (TAF) hat den Gewinner des diesjährigen Millennium Technology Prize mitgeteilt. Die mit einer Millionen Euro dotierte Auszeichnung geht an den britischen Experimentalphysiker Stuart Parkin für dessen Arbeit an Verfahren zur Verbesserung magnetischer Datenträger. Parkin arbeitet derzeit als Manager der Magnetoelectronics-Gruppe am IBM Almaden Research Center im kalifornischen San Jose und ist Direktor des Spintronic Science and Applications Center an der Stanford University, wo er auch als beratender Professor tätig ist. Der Wissenschaftler stammt ursprünglich aus dem britischen Watford und entwickelte die Grundlagen für die nun ausgezeichnete Technik in den frühen Neunzigerjahren. Kommerzialisiert wurde sie von IBM ab 1997.

In einem Statement der TAF hieß es, Parkin erhalte den Preis in Anerkennung seiner Entdeckungen, die es erlaubt hätten, die Speicherkapazität von Festplatten zu vertausendfachen. "Seine Innovationen führten zu einer enormen Ausweitung der Kapazitäten zur Erfassung und Speicherung von Daten." Dies wiederum habe erst den Bau großer Rechenzentren ermöglicht, die heute die Grundlage und das Rückgrat moderner Dienste wie Cloud Services, Social Networks und den Online-Vertrieb von Musik und Filmen bildeten. "Wir können heute Filme streamen, soziale Medien nutzen und Informationen im Internet suchen, weil diese Daten auf magnetischen Laufwerken in der Cloud gespeichert werden."

Parkin hatte wichtige Verfahren im Bereich der Spintronik erforscht und weiterentwickelt, die es erlauben, Dünnfilmmagnetstrukturen mit deutlich gesteigerter Datendichte zu erzeugen. Parkin beschäftigt sich in jüngster Zeit auch mit dem magnetischen Racetrack-Speicher. Der Experimentalphysiker baute seine Arbeit auf Beobachtungen zweier Nobelpreisträger des Jahres 2007 auf. Albert Fert und Peter Grünberg hatten hochsensibler Detektoren entwickelt, die kleinste Magnetfelder bei Raumtemperatur unterscheiden können.

"Parkin zitiert Schätzungen, wonach heute eine Monatslieferung Festplatten ausreichen würde, alle Informationen, die seit Beginn der Menschheit gesammelt wurden, zu speichern. All diese Informationen sind nur deshalb in der Cloud vorhanden, weil er dieses kleine spintronische Gerät entwickelt hat, mit der sie auch ausgelesen werden können", so die TAF. Unsere heutige Online-Welt sei nur aufgrund dieser atomdünnen magnetischen Strukturen denkbar.

Zu den früheren Gewinnern des Millennium Technology Prize gehören Web-Erfinder Tim Berners-Lee, der Stammzellpionier Shinya Yamanaka, Solarforscher Michael Grätzel und Linux-Begründer Linus Torvalds. Der Preis wird seit 1994 alle zwei Jahre vergeben und gilt neben dem Nobelpreis als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen weltweit.

Ausgezeichnet werden die Preisträger dabei nicht für ihr Lebenswerk. Stattdessen soll der Preis weitere Forschungen stimulieren. Bei der Auswahl der Vergabekommission geht es stets darum, dass Entwicklungen die Lebensqualität der Menschen erhöht haben sollen – auf nachhaltige Art. Zudem muss es praktische Anwendungen geben. Finnland will sich mit dem Millennium Technology Prize als nordischen High-Tech-Wohlfahrtsstaat profilieren. Das Preisgeld wird vom finnischen Start und der finnischen Industrie aufgebracht. Militärtechnik wird nicht ausgezeichnet, sonst gibt es keine Beschränkung. (bsc)