Schön zerlegt
Für einen Bildband nahm der kanadische Fotograf Todd McLellan 50 Design-Klassiker auseinander und arrangierte die Einzelteile für die Kamera. Eine Bilderschau.
Für einen Bildband nahm der kanadische Fotograf Todd McLellan 50 Design-Klassiker auseinander und arrangierte die Einzelteile für die Kamera. Eine Bilderschau.
Schon als Kind hat Todd McLellan gern seine Spielsachen zerlegt. Später musste sein erstes Auto, ein Hyundai Pony von 1985, daran glauben. Für seinen Bildband "Ganz schön zerlegt" demontierte er nun 50 Design-Klassiker, darunter auch völlig intakte Liebhaberstücke. "Es faszinierte mich, wie hervorragend sie designt und offensichtlich manuell zusammengebaut waren", schreibt McLellan im Vorwort. "Bei einem Defekt wurden sie tatsächlich noch repariert und nicht einfach weggeworfen. Ich wollte dem Betrachter deren Qualität und auch deren Schönheit zeigen."
Sein Buch ist auch ein Plädoyer für nachhaltige und reparaturfreundliche Produkte: "Geräte aus dieser Zeit waren konzipiert, um ihren Benutzern viele Jahre Freude zu machen, aber ich fürchte, dass die neuen Technologien, die nicht mehr nach dieser Methode verfahren, selbst immer schneller ersetzt werden."
Eineinhalb Tage dauert es in der Regel, die Geräte auseinanderzubauen. "Ich versuche zu verstehen, wie alles funktioniert und ineinandergreift. Im Gegenzug bekomme ich Respekt vor dem großen Ganzen", so McLellan. Noch einmal so lange – wenn nicht länger – braucht er, um die Einzelteile für seine Fotos zu arrangieren. Wie viel Platz sie brauchen, kann er im Voraus nicht abschätzen. Selbst kleinere Geräte können dabei drei Quadratmeter in Anspruch nehmen. Gerade moderne Produkte bestehen zwar aus immer kleineren, dafür aber umso zahlreicheren Komponenten.
Schön zerlegt (8 Bilder)

Doch die akribische Komposition der Teile ist nur der eine Aspekt von McLellans Werk. Mindestens ebenso beeindruckend, dafür aber technisch deutlich aufwendiger, sind Aufnahmen wie das Fahrrad: Dazu platziert er alle Elemente auf einer Plattform unter der Decke und lässt sie dann an der Kamera vorbeifallen – und zwar in ungefähr der Reihenfolge, in der sie zusammengehören. Stroboskop-Blitze und Kameras mit einer extrem hohen Bildwiederholungsrate nehmen sie auf.
Zunächst vertraute McLellan noch auf Lichtschranken, um die Kameras auszulösen. Mittlerweile macht er dies per Hand.
Manchmal sind alle Bauteile eines Geräts mit einem einzigen Schuss im Kasten, manchmal lässt McLellan aber auch verschiedene Baugruppen separat von der Decke fallen und fügt die Bilder später digital zusammen. (grh)