Gerstensaft mit Anti-Aging-Wirkung

Studenten haben im Rahmen eines Wettbewerbs eine Biersorte geschaffen, deren Hefe den potenziell lebensverlängernden Stoff Resveratrol absondert.

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Seit die potenziell lebensverlängernden Qualitäten von Rotwein vor einigen Jahren in die Schlagzeilen gerieten, hat der traditionelle Toast auf gute Gesundheit mit dem alkoholischen Getränk eine ganz neue Bedeutung bekommen. Studenten an der Rice University wollen nun auch Bierfreunden eine derart positive Wirkung zukommen lassen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Sie versuchen, eine Hefe zu erzeugen, die den im Rotwein enthaltenen Wirkstoff Resveratrol, dem die Alterung verlangsamende Fähigkeiten nachgesagt werden, auch in den Gerstensaft holt. Das Ergebnis nennt sich "BioBeer" und wurde im Rahmen des "International Genetically Engineered Machine"-Wettbewerbs des MIT (IGEM), bei dem Studenten um die besten Ideen im Forschungsfeld der synthetischen Biologie konkurrieren, vorgestellt. "Das Bier wird nicht verhindern, dass man vom vielen Trinken einen Bierbauch bekommt oder sich eine Leberzirrhose zuzieht", meint Taylor Stevenson, einer der sechs Bachelor-Studenten, die an dem Projekt mitarbeiten. "Doch die Leute trinken sowieso schon Bier, warum sollte diese Aktivität also nicht ein bisschen gesünder werden?"

Resveratrol wurde in den Neunzigerjahren im Rotwein entdeckt – und gilt als mögliche Antwort auf die wissenschaftliche Fragestellung des so genannten "französischen Paradoxon", der Tatsache nämlich, dass die Franzosen relativ wenige Todesfälle an Herzkrankheiten zu verzeichnen haben, obwohl ihre Ernährung relativ fetthaltig ist. Von Resveratrol ist inzwischen bekannt, dass es die Lebensdauer verschiedener Organismen verlängern kann, darunter Fische, Fliegen und Mäuse. Füttert man alternden Nagern hohe Dosen der Chemikalie, bleiben sie auch im Seniorenalter gesünder. Es ist allerdings noch unklar, ob Resveratrol beim Menschen wirklich die gleichen starken Auswirkungen hat.

Andere Forscher haben bereits Hefen geschaffen, die Resveratrol unter aeroben Bedingungen produzieren, doch das ist wenig hilfreich, weil der Stoff deaktiviert wird, wenn er Sauerstoff ausgesetzt wird. Die Rice-Studenten versuchen deshalb, eine Hefe zu schaffen, die die Chemikalie durch Fermentierung erzeugt. Sie glauben, dass diese Methode verwendet werden könnte, um auch andere luftempfindliche Wirkstoffe in Bier einzuführen, das nach wie vor das populärste alkoholische Getränk in den USA und vielen anderen Ländern darstellt. "Ich sehe es als trinkbaren Bioreaktor an", meint Thomas Segall-Shapiro vom BioBeer-Team. "Man kann das Medikament sofort nach dem Brauen verwenden." Die Studenten wollen ihr Gebräu nun an Fruchtfliegen testen, um zu bestätigen, dass es eine lebensverlängernde Wirkung hat, wie man sie von Resveratrol kennt.

Mehr zum BioBeer-Projekt in Technology Review online:

(bsc)