Kündigungswelle bei Leiterplattenhersteller AT&S
Der nach eigenen Angaben größte Leiterplattenhersteller Europas, der gerade einen Rekordgewinn gemeldet hatte, begründet die Kündigungen mit den Auswirkungen der Finanzkrise, die einen Mengenrückgang erwarten ließen.
Vor vier Wochen hatte AT&S (Austria Technologie & Systemtechnik Aktiengesellschaft), nach Eigenangaben größter Leiterplattenhersteller in Europa und Indien, noch einen Rekordgewinn gemeldet. Heute hingegen kündigte das Unternehmen eine "Kapazitätsanpassung" im Werk Leoben-Hinterberg (Steiermark) an. Zu Deutsch: Ein Drittel der in Leoben tätigen Belegschaft wird abgebaut. Dadurch nicht mehr benötigte Maschinen wandern in ein neues Werk in Indien, was die dortige Investitionssumme um 7,4 Millionen Euro reduziert. Betroffen sind 293 eigene Mitarbeiter und 159 Leiharbeiter.
Das Unternehmen begründet die Kündigungen mit den Auswirkungen der Finanzkrise, die einen Mengenrückgang erwarten ließen. Würden weniger Autos gekauft, schmälere dies die Absatzmöglichkeiten für Leiterplatten. Gleichzeitig würden die Preise weiter unter Druck kommen, "wodurch Volumsaufträge zukünftig in Österreich nur noch in Ausnahmefällen gefertigt werden können". Die Wirtschaftskrise beschleunige das Abwandern großer Aufträge nach Asien.
In Leoben will sich AT&S auf den europäischen Markt für mobile Geräte und die Autobranche konzentrieren. Darüber hinaus sollen innovative Projekte, schnelle Produktionen, Kleinserien, Prototypen und Spezialproduktionen in Leoben realisiert werden. Aufsichtsratschef Hannes Androsch hofft zudem auf neue Geschäftsfelder, etwa im Bereich Solarenergie. Die Restrukturierungskosten beziffert AT&S mit 20,4 Millionen Euro, für die Neuausrichtung des Standortes werden zusätzlich rund drei Millionen Euro investiert. Im zweiten steirischen Werk in Fehring ist derzeit kein Stellenabbau geplant.
AT&S ist nach der voestalpine der zweitgrößte Arbeitgeber im Bezirk Leoben, 70 Prozent der in der Produktion Werktätigen sind weiblich. Schon jetzt stellen Frauen mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen im Bezirk. (Daniel AJ Sokolov) (jk)