Die Luftblase

Während Luftfahrtkonzerne an riesigen Hightech-Zeppelinen basteln, kommt ein deutscher Unternehmer zu dem Schluss: Einfach geht’s am besten.

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Von
  • Bernd MĂĽller

Während Luftfahrtkonzerne an riesigen Hightech-Zeppelinen basteln, kommt ein deutscher Unternehmer zu dem Schluss: Einfach geht’s am besten.

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Selbst zwölf Jahre nach dem Aus für die Cargolifter AG erzählt Carl-Heinrich von Gablenz noch immer von seiner gescheiterten Idee, ein Riesenluftschiff zu bauen. Bis 160 Tonnen schwere Lasten sollte der Gigant an die entlegensten Winkel der Welt befördern. Tatsächlich hält bis heute ein Cargolifter-Lastenballon den Weltrekord im Gewichtheben: Mit seinen 61 Metern Durchmesser liftete er 2002 einen 55 Tonnen schweren Minenräumpanzer der Bundeswehr. Die Idee sei bestechend gewesen, nur das Geld irgendwann ausgegangen, so der ehemalige Vorstandsvorsitzende. Die Cargolifter-Insolvenz 2002 war eine der spektakulärsten Pleiten der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte. Übrig geblieben ist die gigantische Halle im brandenburgischen Briesen, die als Tropical Island mit Palmen und Wasserrutschen Touristen anlockt – und von Gablenz’ Traum.

Denn der 62-Jährige ist überzeugt: „Das Leichter-als-Luft-Konzept ist aktueller denn je.“ Und das verfolgt er hartnäckig mit seiner Nachfolgefirma CL Cargolifter GmbH & Co. KG. Die Vorwürfe, große Luftschiffe seien nur schlecht zu manövrieren und bei stärkerem Wind zu anfällig, lässt von Gablenz nicht gelten. „So wie ein Kapitän lernen kann, einen großen Tanker zu manövrieren, so kann man auch lernen, ein Luftschiff zu steuern.“

Trotzdem backt das Unternehmen erst einmal kleinere Brötchen. Im Programm sind Lastenballons, die in der 14-Meter-Version eine Tonne, in der 27-Meter-Variante sieben Tonnen heben können. Der kleinere ist bereits geflogen. Derzeit verhandelt von Gablenz unter anderem mit Baufirmen. Sie könnten mit den Ballons sperrige Bauteile heben, zum Beispiel Rotorblätter an Windenergieanlagen. Bedarf sieht der Cargolifter-Gründer auch in der Katastrophenhilfe, etwa um Sandsäcke auf Deiche zu hieven. Doch leicht machen es ihm die potenziellen Kunden auch diesmal nicht. „Wenn wir glauben, wir wären fast am Ziel, hat wieder jemand die Zielstange verschoben und stellt neue Anforderungen.“

Das geht nicht nur CL Cargolifter so. Seit 1937 der 245 Meter lange Zeppelin Hindenburg in Lakehurst, New Jersey, in Flammen aufging, scheint ein Fluch auf der Branche zu liegen. Lediglich der 75-Meter-Zeppelin NT der Zeppelin Luftschifftechnik in Friedrichshafen zieht seine Kreise, über dem Bodensee oder anderswo. Aber mehr als eine Touristenattraktion oder Werbefläche ist er nicht. Und das, obwohl nach dem Hindenburg-Inferno viele Konzepte auf dem Tisch lagen, darunter 1959 sogar ein 330 Meter langes Luftschiff mit Atomantrieb, geplant vom Reifenkonzern Goodyear. Doch alle Projekte landeten auf dem harten Boden der Tatsachen, gescheitert an der Kombination aus technischen Rückschlägen und zu optimistischen Markteinschätzungen.

(jlu)