Grüne Gründer leiden an Finanzkrise

Fallende Ölpreise und ein frostiges Investitionsklima sorgen in den USA für eine geringere Nachfrage bei Wind, Solar und Biosprit.

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Autofahrer freuen sich: Der gesunkene Ölpreis führt nun auch an der Tankstelle zu ersten spürbaren Entlastungen. Anbieter alternativer Energiekonzepte schmeckt das hingegen weniger: Sie fürchten, dass Investitionen in Solar, Wind und Biosprit in den nächsten Monaten zurückgehen könnten. Erste Anzeichen dafür sind in den USA bereits spürbar, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Zahlen der Marktforschungsfirma New Energy Finance aus London zeigen, dass die Anbieter alternative Energieformen von Januar bis ins dritte Quartal diesen Jahres insgesamt 13 Milliarden Dollar an Risiko- und Private Equity-Kapital einsammeln konnten. Das ist deutlich mehr als die 9,8 Milliarden, die 2007 flossen. Doch schon beginnt ein Abzug der Mittel: So fielen die Ausgaben für Großprojekte im Bereich erneuerbarer Energien von 23,8 Milliarden im zweiten Quartal 2008 auf 17,7 Milliarden im dritten. Ähnliche Reduktionen seien für kleinere Investitionen im aktuellen vierten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 zu erwarten.

Dies unterstreicht das vorhandene Risiko für die einst so boomende Branche, wie Travis Bradford, Gründer und Präsident des Prometheus-Instituts für umweltfreundliche Entwicklung in Cambridge, meint. Bradford sieht insbesondere im Bereich der Biotreibstoffhersteller komplexe Probleme aufkommen. Das Risiko für diese Firmen sei größer, weil man nicht abschätzen könne, wie teuer die notwendigen Pflanzenrohstoffe in den nächsten Jahren würden. Das Unterscheide das Segment kaum von der traditionellen Treibstoffbranche: "Bei Öl und Gas weiß man das ja auch nicht."

Ein Sprecher des Biotreibstoffanbieters AE Biofuels mit Sitz im kalifornischen Cupertino räumte ein, die Lage des Kreditmarkts sei derzeit "furchtbar" und werde die Finanzierung der Aktivitäten der Firma sicher beeinflussen. Das Unternehmen produziert Ethanol sowohl aus Mais als auch aus neuen Grundstoffen wie stark zellulosehaltiger Biomasse, die billiger und umweltfreundlicher sein sollen.

Trotzdem sehen Beobachter zwei wichtige Unterschiede zur Situation in den Siebzigerjahren, als das Ende des Ölpreisschocks auch das Aus für alternative Energieanbieter brachte. Erstens sorge die Geopolitik dafür, dass saubere Energieformen und Energiesicherheit an sich für viele Länder längst nationale Priorität hätten. Zweitens sei die Technologie, die hinter der alternativen Energieerzeugung steckt, inzwischen schlicht wesentlich fortschrittlicher.

Mehr zum Thema in einer ausführlichen Analyse Technology Review online:

(bsc)