Ingram Micro blickt verhalten optimistisch auf die zweite Jahreshälfte
Die Talsohle der aktuellen Konjunkturkrise ist nach Einschätzung von Ingram-Chef Gerhard Schulz noch keineswegs erreicht. Vor allem beim privaten Konsum rechnet Schulz bei steigenden Arbeitslosenzahlen mit einem spürbaren Einbruch.
(Bild: Ingram Micro)
Die Talsohle der aktuellen Konjunkturkrise ist nach Einschätzung von Ingram-Chef Gerhard Schulz noch keineswegs erreicht. Vor allem beim privaten Konsum – der in den ersten Monaten insgesamt schlimmere Umsatzeinbußen aufgefangen hat – rechnet Schulz bei steigenden Arbeitslosenzahlen mit einem spürbaren Einbruch. Der Ingram-Manager sieht dennoch keinerlei Anlass zur Resignation, im Gegenteil sei es das Gebot der Stunde, alle geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um bei wieder anziehender Konjunktur bestens aufgestellt zu sein, verkündete Schulz in der vergangenen Woche auf der zehnten jährlichen Hausmesse IM.top – vor rund 2800 versammelten Resellern.
Als wesentlichen Schritt zur Kostensenkung hatte sich die Führung des Münchner Broadline Distributors Ende des ersten Quartals entschieden, Kurzarbeit anzumelden. Zumindest vorläufig auf Entlassungen zu verzichten, sei auf "extrem positive Resonanz bei der Belegschaft gestoßen", betonte Schulz. Aus Sicht des Unternehmens sei es schließlich auch keine wegweisende Entscheidung, sich heute von Mitarbeitern zu trennen, die man vielleicht schon in wenigen Monaten wieder dringend brauche. Dank umfassender staatlicher Hilfen kommt die befristete Kurzarbeit Ingram Micro aber auch finanziell sehr entgegen.
Nach Schätzungen der Geschäftsleitung gingen die Umsätze in der IT-Distribution im ersten Quartal 2009 hierzulande um mehr als zehn Prozent zurück – Ingram habe es nicht ganz so hart getroffen, unterstrich Schulz. Die solide Stellung im Markt mache den Broadliner zudem zu einem starken und vertrauensvollen Partner für den Fachhandel. Gerade in Krisenzeiten seien Zuverlässigkeit, Sicherheit und Stärke – aber auch finanzielle Unabhängigkeit – schlagkräftige Argumente für eine langfristige Zusammenarbeit in der Branche, erklärte Ingram-Chef Schulz. Und auf diese Säulen will er bauen, um Fachhandelskunden zu binden oder neu für Ingram zu gewinnen.
Denn die Wirtschaftsflaute eröffne dem IT-Handel auch neue Chancen, gab sich Schulz überzeugt: "Die Situation zwingt viele Unternehmen zur Kostensenkung. Ein großer Teil dieser Problemstellungen lässt sich mit Hilfe von IT lösen. Hier muss der Handel mit den passenden Argumenten die richtige Ansprache des Kunden finden – dann kann er auch jetzt in Projekten punkten." Bei der generellen Reduzierung von Beschaffungskosten oder dem Einsatz von Software für einen effizienteren Betrieb der IT und darauf aufsetzender Geschäftsprozesse sieht Schulz das größte Potenzial für Reseller und verspricht konkrete Unterstützung.
So baue Ingram Micro beispielsweise gegen den Trend sein Angebotsspektrum weiter aus: "Hersteller und Produkte, die unser Portfolio sinnvoll erweitern, werden wir auch in Zukunft neu in unser Angebot aufnehmen", versicherte der Ingram-Chef. So gab die VAD-Sparte gerade erst eine Erweiterung des Vertriebsabkommens mit dem Security-Spezialisten Trend Micro bekannt. Weitere Fokussegmente seien zudem Mobility und Virtualisierung. Parallel dazu treibe Ingram konsequent die Optimierung der Supply Chain voran. Eine tragende Rolle spielt dabei das 2008 erweiterte Zentrallager im niederbayrischen Straubing, dessen Management seit März in die Verantwortung von Senior Director Operations & Service Herbert Hufsky fällt.
Ernstere Probleme drohen unterdessen mit Blick auf Zahlungsausfälle im Handel. Die Situation in Deutschland sei durchaus brenzlig, betonte Ingram-Chef Schulz, aber noch keineswegs so schlimm wie in einzelnen anderen europäischen Ländern. Dennoch beobachte der Distributor mit Sorge eine Zunahme der Problemfälle – insbesondere bei kleinen Fachhandelshäusern mit ein bis zwei Mitarbeitern. Für Reinhold Ittermann, Ingrams Director Credit & Controlling, läuten bereits die Alarmglocken – Grund zur Panik gebe es indessen noch nicht. "Wir sind derzeit sehr viel aufmerksamer und lauschen mit offenen Ohren am Marktgeschehen", erklärt Ittermann. Ingrams Finanzexperte rät jedem Händler sich frühzeitig mit dem Broadliner zu verständigen, wenn ein finanzieller Engpass droht. "Wir werden uns dann im Einzelfall bemühen, eine adäquate Lösung zu finden", versichert Ittermann.
Zwar könne der Distributor keineswegs das volle Risiko von Bank und Kreditversicherer übernehmen, die finanzielle Stärke von Ingram – der Konzern verfügt unter anderem über Barreserven in Höhe von einer Milliarde US-Dollar – versetze das Unternehmen jedoch in die Lage, eigene unabhängige Entscheidungen in Sachen Risikoübernahme zu treffen. Von verlängerten Zahlungszielen über die begrenzte Projektfinanzierung bis hin zum sogenannten Projektkonto für einen optimierten Cash-Flow zwischen Bank, Händler und Ingram Micro reicht das Spektrum der Angebote zur Auftragsfinanzierung. (map)