Meinung: Geld fĂĽrs Nichtstun?

Die Prämienzahlung, die Betreiber von Großkraftwerken erhalten, um Kapazitäten bei Produktionsproblemen von Wind- und Sonnenkraft auszugleichen, bleibt sinnvoll – auch wenn die Kohle-Lobby sie ausbeutet.

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Die Prämienzahlung, die Betreiber von Großkraftwerken erhalten, um Kapazitäten bei Produktionsproblemen von Wind- und Sonnenkraft auszugleichen, bleibt sinnvoll – auch wenn die Kohle-Lobby sie ausbeutet.

Gregor Honsel, TR-Redakteur, hofft schon lange auf eine grundlegende Reform des Strommarkts.

Die Kapazitätsprämie hat eine ähnliche Karriere hinter sich wie Uli Hoeneß: vor Kurzem noch allseits respektiert, nun verfemt. Die Prämie galt mal als Lösung für ein zentrales Problem der Energiewende: Da Photovoltaik und Windkraft die Strompreise fallen lassen, machen sie fossile Kraftwerke zunehmend unrentabel.

Schwächeln Wind und Sonne aber, sind genau diese Kraftwerke als Ausgleich gefragt. Also sollen sie Geld dafür bekommen, Kapazität bereitzuhalten.

"Kapazitätsprämien sind keine Erfindung der Kohle-Lobby."

Mittlerweile haben vor allem die großen Energiekonzerne Gefallen an der Idee gefunden, ihre alten Kohlekraftwerke als Kapazitätsreserve anzudienen. So würden sie gewissermaßen Geld fürs Nichtstun bekommen. Kapazitätsprämien gerieten deshalb in den Ruf, eine perfide Erfindung der Fossil-Lobby zu sein.

Das ist schade, denn ein Kapazitätsmarkt hat nach wie vor seinen Sinn. Dazu müssten Prämien aber an eine einfache Bedingung gekoppelt werden: Sie dürften nur für solche Stromerzeuger ausgezahlt werden, die binnen weniger Minuten ihre volle Leistung abgeben können. Alte Kohlenmeiler blieben damit automatisch außen vor. Hocheffiziente und flexible Gaskraftwerke hingegen würden unterstützt.

Sie könnten im Wechselspiel mit den Erneuerbaren so zuverlässig Strom liefern, dass sich Kohle-Grundlastkraftwerke abstellen ließen. Richtig umgesetzt, könnten Kapazitätsprämien also für weniger statt mehr Kohlestrom sorgen. (grh)