White-Space-Prototyp in Kofferform

Der Telekommunikationskonzern Motorola gehört zu den ersten Firmen, die Funkmodule herstellt, die automatisch freie Frequenzen auffinden.

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Wenn es nach Wireless-Experten und Internet-Forschern geht, werden in den nächsten Jahren drahtlose Breitband-Signale die ganzen USA überziehen – mit einer bislang ungekannten Reichweite. Dank der Entscheidung der Telekommunikationsregulierungsbehörde FCC, die im November festlegte, ehemalige Analog-TV-Frequenzbänder im Megahertz-Bereich für die Mobilgeräte-Industrie zu öffnen, könnte sich bald viel verändern, schreibt das Technologiemagazin Technology Review in einer aktuellen Analyse des so genannten "White Space"-Marktes in seiner Online-Ausgabe. Die Befreiung des Spektrums bedeutet, dass entsprechende Geräte Daten mit einer Geschwindigkeit im zweistelligen Megabitbereich bestenfalls über hunderte Kilometer versenden könnten, was das mobile Web deutlich beschleunigen und besonders ländlichen Gebieten helfen würde.

Die FCC-Ankündigung erlaubt den Unternehmen grundsätzlich, freie Frequenzen zwischen den Kanälen zu nutzen, die derzeit von Fernsehsendern verwendet werden. "Die Ankündigung, dass solche White-Space-Geräte künftig erlaubt sind, halten viele Beobachter für den Beginn einer neuen Drahtlosrevolution", meint Anant Sahai, Professor für Elektrotechnik und Informatik an der University of California in Berkeley. Seit Jahren experimentieren Forscher bereits mit Funkmodulen, die clever genug sind, von einer Frequenz zur nächsten zu wechseln, ohne belegte Kanäle zu stören – "cognitive radio" nennt sich der Fachbegriff. Doch vor der FCC-Entscheidung handelte es sich hierbei um rein akademische Arbeiten. "Man konnte so viel forschen, wie man wollte – grundsätzlich blieb die Technik in der Praxis illegal", sagt Sahai.

Mit der neuen Situation ändert sich das: Forscher und Firmen haben endlich die Chance, aus Prototypen Produkte zu machen – im Bewusstsein, dass entsprechende Gadgets den Markt in den nächsten Jahren aufrollen könnten. Firmen wie Motorola, Philips und Microsoft arbeiten schon seit Längerem an Vorabversionen – zunächst mit eher durchwachsenen Ergebnissen. Sie hoffen nun, bald robuste White Space-Komponenten entwickeln zu können.

Motorola ist eine der ersten Firmen, die ein entsprechendes Funkmodul gebaut hat, das die grundlegenden Vorgaben der FCC erfüllt. Die Komponente ist clever genug, um freie Frequenzen in ihrer Nähe aufzufinden und dabei gleichzeitig die Signalstärke zu kontrollieren, um zu verhindern, dass es zu Interferenzen mit anderen Geräten auf in der Nähe liegenden Bändern kommt.

Das Motorola-Funkmodul findet belegte Frequenzen, indem es eine Datenbank registrierter TV-Stationen und drahtloser Geräte in der Nähe durchgeht – der aktuelle Ort wird per GPS-Signal bestimmt. Motorolas frühe Tests belegen allerdings auch, dass noch viel Arbeit zu erledigen ist. Bei Tests der FCC im Oktober war der Prototyp, der derzeit noch in einem kleinen Koffer steckt und nur empfangen, nicht jedoch senden kann, nicht in der Lage, alle zugewiesenen Frequenzen in seinem Bereich zu ermitteln. "Fertig sind die Geräte noch nicht", räumte Motorola-Manager Steve Sharkey gegenüber Technology Review ein, "es handelt sich ja um Entwicklungskomponenten". In einigen Jahren könnten sie auf die Größe von Handys schrumpfen.

Die ganze Analyse in Technology Review online:

(bsc)