Lidl-Antwort auf den Weihnachts-PC von Aldi [Update]

Eine Woche nach Aldi hat heute auch Lidl mit dem Verkauf des diesjährigen Weihnachts-PC begonnen und unterbietet den Konkurrenten um 100 Euro.

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Von
  • Benjamin Benz

Genau eine Woche nachdem Aldi einen Weihnachts-PC im Angebot hatte, kontert Lidl mit einem sehr ähnlichen Angebot (zumindest in Nord- und Mitteldeutschland). Auch im Targa Now 8821 steckt ein günstiger Vierkernprozessor von Intel (Core 2 Quad Q8200, 2,33 GHz, FSB1333, 2 × 2 MByte L2-Cache). Eine 640-GByte-Festplatte, eine TV-Karte für DVB-S, DVB-T und Analog-TV, ein WLAN-USB-Stick (802.11n) sowie ein Kartenleser runden die Ausstattung ab. Gigabit-LAN bringt das OEM-Mainboard des Asus-Fertigungszweigs Pegatron bereits mit. Maus und Tastatur sind nicht – wie beim Konkurrenten – drahtlos. Auch hinsichtlich Anzahl und Vielfalt der externen Anschlüsse kommt der Lidl-PC nicht an den von Aldi heran. So fehlen beispielsweise FireWire und eSATA.

Dass der Targa Now 8821 nur mit 3 statt 4 GByte RAM bestückt ist, macht nichts, denn mehr kann die – auch beim Aldi-PC installierte – 32-Bit-Version von Vista nicht ansprechen. Allerdings unterstützt der GeForce-7100-Chipsatz (alias nForce 630i) nur einen Speicherkanal, was in manchen Benchmarks einige wenige Punkte kostet. Auch die Windows-Installation im IDE-Kompatibilitätsmodus statt mit AHCI-Treiber für den SATA-Controller bremst etwas. Viel stärker wirkt sich jedoch die schwache Grafikkarte aus: Um den Konkurrenten Aldi beim Preis um 100 Euro (599 Euro statt 699 Euro) unterbieten zu können, verbaut Targa für Lidl eine einfachere Grafikkarte (GeForce 9500 GS statt GeForce 9600 GT). Das kostet im 3DMark06 und 3DMark Vantage ungefähr die Hälfte der Punkte.

Auch wenn sich ein Faktor zwei nach viel anhört, so ändert er an der Gesamteinschätzung der Spieletauglichkeit nicht allzu viel: Wer auf großen Displays moderne 3D-Spiele mit hohen Detaileinstellungen zocken will, dem dürfte auch eine GeForce 9600 GT kaum reichen. Ältere und genügsame Spiele laufen hingegen auch auf der GeForce 9500 GS noch flüssig. Im Bereich dazwischen hilft ein Verzicht auf Details oder die nächst niedrigere Auflösung. So läuft der schon etwas angegraute Shooter Splinter Cell CT auf einem am Lidl-PC angeschlossenen UXGA-Display (1600 × 1200 Punkte) mit knapp über 30 fps. Begnügt man sich mit 1280 × 1024 Punkten (SXGA), so sind es bereits 46 fps. Spiele, die genau an der Kante liegen, gibt es bei diesen eher günstigen Karten immer. Beispielsweise läuft das recht neue FarCry2 auf dem Lidl-Rechner nur im DirectX-9-Modus (Medium) flüssig, wohingegen der Aldi-PC auch die DirectX-10-Effekte (High) schafft. Für die meisten 3D-Spiele sinnvoller wäre wohl eine Kombination aus einem billigeren Dual-Core-Prozessor mit höherer Taktfrequenz und einer teureren Grafikkarte. Wer wiederum keine 3D-Spiele oder nur ältere Titel installieren möchte, für den ist die Performance der Grafikkarte egal; dann hätte man aber auch gleich die Onboard-Grafik nutzen können, deren VGA- und HDMI-Buchsen beim Lidl-PC jedoch verschlossen sind.

Einen Chip namens GeForce 9500 GS führt Nvidia in der eigenen Produktübersicht nicht auf, wahrscheinlich weil es sich um eine OEM-Version handelt. In den Listen der von den GeForce-Treibern unterstützen Chips steht er indes. Er taktet die GPU mit 550, den Speicher mit 504 und die Shader mit 1375 MHz. Zum Vergleich: Der GeForce 9500 GT betreibt bei gleichem Core-Takt den Speicher mit 800 und die Shader mit 1400 MHz.

Trotz der geringen Performance sitzt auf der flachen Grafikkarte ein lauter Lüfter und so kommt der PC im Leerlauf auf 1,1 Sone – damit verpasst er die Geräuschnote "gut", die wir für Werte unterhalb von 1 Sone vergeben. Unter Volllast steigt der Lärmpegel auf 1,6 Sone. Rund 78 Watt im Leerlauf sind für einen PC mit gesteckter Grafikkarte und Vierkern-CPU ein durchschnittlicher Wert. Unter Volllast begnügt er sich – aufgrund der recht langsamen Grafikkarte – mit 144 Watt. Gut gewählt hat Targa den Kartenleser, denn der liest von und schreibt auf alle getesteten Karten (SD, SDHC und CF) flott.

Die Software-Dreingaben sind – wie bei den Discounter-PCs üblich – zahlreich, wenn auch teils von fragwürdigem Nutzen. Die Security-Suite Bullgard kostet reichlich Nerven. Etwas nützlicher dürfte da schon das Corel Home Office oder die "Essential"-Version von Corel Draw sein. Positiv fiel uns das deutsche Praxishandbuch auf. Es zeigt nicht nur, wie man den Rechner aufstellt, Maus und Tastatur bedient oder eine Internet-Verbindung herstellt, sondern führt den unbedarften Benutzer auch auf über 300 Seiten in Windows Vista oder das Corel-Office-Paket ein.

Bewertung
Systemleistung Office sehr gut
Systemleistung Spiele schlecht
Systemleistung Gesamt gut
VGA-Signalqualität Ausgang 1 / 2 (SXGA) schlecht / schlecht
Audio-Signalqualität gut
Geräuschentwicklung zufriedenstellend
Ausstattung gut
Systemaufbau gut

(bbe)