SAP-Chef Apotheker will lieber kaufen als gekauft werden
Um weiteres Wachstum zu finanzieren stehen SAP gegebenenfalls bis zu 5 Milliarden Euro für Akquisitionen zur Verfügung. Vom Verkauf des eigenen Unternehmens an spekulative Interessenten wie IBM oder Microsoft hält Vorstandschef Apotheker hingegen wenig.
Um weiteres Wachstum zu finanzieren, stehen SAP rund 2,5 Milliarden Euro für Akquisitionen zur Verfügung – gegebenenfalls will Léo Apotheker sogar noch einmal die gleiche Summe locker machen, wie er in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro erklärte. Der SAP-Vorstandschef unterstrich bei dieser Gelegenheit seine feste Absicht, das Unternehmen "weiterhin organisch und nicht-organisch wachsen" zu lassen und schloss sich damit der positiven Einschätzung seines Vorgängers Henning Kagermann an.
Die aktuelle wirtschaftliche Krise, aber auch eigene Fehler hatten den erfolgsverwöhnten Walldorfer Konzern zuletzt in größere Schwierigkeiten gebracht. Nachdem SAP erstmals in der Firmengeschichte die Entlassung Tausender von Mitarbeitern ankündigen musste, sah sich die Führungsspitze massiver Kritik der SAP-Aktionäre ausgesetzt. Unterschiedliche Auffassung herrschte unter anderem im Hinblick auf die Integration von Business Objects – einer der bisher größten Akquisitionen in der Software-Branche.
Während Apotheker die Kooperations- und Übernahmepolitik von SAP als gelungene Strategie zur Umsetzung eines gemischten Wachstumskurses verteidigt, steht der Vorstandsvorsitzender einem etwaigen Verkauf seines Unternehmens an Branchenschwergewichte wie IBM oder Microsoft eher skeptisch gegenüber. In Börsenkreisen wird immer wieder spekuliert, SAP könne ein attraktiver Übernahmekandidat für IBM oder Microsoft sein, da beide Hersteller selbst keine vergleichbare Unternehmenssoftware für Großkunden in ihrem Portfolio haben. Nach Apothekers Willen solle SAP unabhängig bleiben. Wenn sich aber rund 70 Prozent des Firmenkapitals im freien Handel und nur 30 Prozent im Besitz des Managements befänden, sei alles möglich, räumte Apotheker ein. (map)