DNA-Sequenzierung am Fötus

Ein US-Wissenschaftler hat bei seinem ungeborenen Kind das Genom entschlüsselt – im "Do-it-yourself"-Verfahren.

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In diesem Monat erblickte in den USA ein Kind das Licht der Welt, dessen DNA bereits vor der Geburt bekannt war. Der Vater, der Genetiker Razib Khan, hatte die genetische Grundausstattung seines Sohnes im Do-It-Yourself-Verfahren aus einer Gewebeprobe der mĂĽtterlichen Placenta bestimmt, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Genome von Föten zu sequenzieren ist noch unbekanntes Terrain. Khan war dabei weniger von medizinischen Überlegungen motiviert. Ihm ging es darum, die Technik weitervoranzutreiben, weil es irgendwie "cool" gewesen sei. Angesichts der gesunkenen Kosten für eine Genomsequenzierung scheint seine These realistisch, dass das Verfahren bald Standard ist. "In fünf Jahren wird eine Sequenzierung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten Routine sein", glaubt auch Art Beaudet, Chef der Molekulargenetik am Baylor College of Medicine. Das College entwickle bereits Pläne für eine "Exom-Sequenzierung", also die Entzifferung von wichtigen genetischen Bereichen während einer Schwangerschaft.

Wie solche Pläne ethisch zu beurteilen sind oder wer dann die Gendaten kontrolliert, ist jedoch alles andere als klar. Die Debatte darum hat noch gar nicht richtig begonnen. Das American College of Medical Genetics and Genomics etwa, das Richtlinien für medizinische Genetiker aufgestellt hat, habe in dieser Frage noch keine Position formuliert, sagt Diana Bianchi, geschäftsführende Direktorin des Mother Infant Research Institute an der Tufts University.

Als Khan Anfang des Jahres die DNA seines Sohns erhielt, hätte er einfache Tests auf bestimmte Gene machen lassen können. Doch dann sagte er sich: warum nicht gleich die ganzen Daten analysieren? "Da merkte ich, dass eine vollständige Genomsequenzierung einfacher war." Er überredete einen Laborkollegen, die DNA des ungeborenen Sohns durch einen Hochgeschwindigkeits-Sequenzierer zu schicken, als der gerade nicht ausgelastet war.

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(bsc)