Segeln für Energie

Spanische Forscher arbeiten an einem Schiff, das über Großsegel Wasserstoff produzieren kann.

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Von
  • Reiner Wandler

Spanische Forscher arbeiten an einem Schiff, das über Großsegel Wasserstoff produzieren kann.

José Miguel Bermúdez und sein Partner Jorge Salas sind begeisterte Leser von Jules Vernes. Der große französische Abenteuer-Autor schrieb 1874 im Buch "Die geheimnisvolle Insel": "Ich glaube, Wasser wird eines Tages als Treibstoff verwendet werden. (...) Wasser ist die Kohle der Zukunft." Die beiden 28-jährigen Luftfahrtingenieure Bermúdez und Salas wollen diesen Traum jetzt Wirklichkeit werden lassen. Bound4blue heißt das Projekt der Absolventen der Technischen Hochschule (ETSEIAT) in Terrassa unweit von Barcelona.

Ihre Idee ist ein Schiff, das "Meerwasser per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten kann", erklärt Bermúdez. Riesige Segel sollen es antreiben, "Turbinen unter Wasser werden dann die nötige Energie für die Wasserspaltung erzeugen". Bereits 2006, damals noch im Studium, spielte er mit seinem Vater, einem Industrieingenieur, den Gedanken durch.

"Das Herzstück der Anlage sind die Segel, alles andere ist mehr oder weniger herkömmliche Technologie", sagt Bermúdez. Die 20 mal 50 Meter großen Windfänger werden aus Fiberglas und Kunstharz bestehen, ähnlich wie bei Windgeneratoren. Es sind vielmehr Strukturen, die einer Flugzeugtragfläche gleichen. "Das sorgt für wesentlich mehr Antrieb", erklärt der Ingenieur.

Patente in der Europäischen Union, den USA, China und Japan sind bereits beantragt. Die Turbinen, die unter Wasser die nötige Energie für die Wasserstoffproduktion erzeugen, entsprechen weitgehend denen aus Gezeitenkraftwerken. Die Gase werden an Bord in großen Tanks gelagert.

Bermúdez verspricht: "Wir werden ein Kilogramm Wasserstoff für rund 1,50 Euro produzieren können." Bisher liegen die Produktionskosten im Schnitt bei 4,50 bis 5 Euro. Können die Spanier wirklich zu dem anvisierten Preis liefern, dürfte ihnen ein bedeutender Anteil am weltweiten Wasserstoffmarkt von 80 Milliarden Dollar sicher sein. Derzeit wird das Gas hauptsächlich beim Spalten von Schweröl – dem sogenannten Hydrocracking – sowie bei der Herstellung von Ammoniak benötigt. Sollte Wasserstoff auch als Treibstoff im Straßenverkehr zur breiten Anwendung kommen, wäre der Markt noch viel größer.

Um die Idee zu verwirklichen, haben die beiden Ingenieure ihr Unternehmen bound4blue gegründet. Im ersten Schritt wollen sie zunächst einen 20 Meter langen Prototyp bauen, "um zu zeigen, dass unsere Technologie funktioniert", sagt Bermúdez. Dafür benötigen sie mehr als eine Million Euro. Investoren haben die beiden nach eigener Aussage aber bereits an der Hand. Zudem genießen sie die Unterstützung mehrerer öffentlicher Forschungsinstitute in Spanien.

In vier bis fünf Jahren wollen die Ingenieure dann das erste richtige Schiff fertig haben. "Zuerst einmal wollen wir reine Produktionseinrichtungen bauen", erklärt Bermúdez. Die bis zu 140 Meter langen Schiffe sollen in windgünstigen Zonen auf dem Meer kreuzen. "Doch in einer zweiten Phase sind auch Handelsschiffe denkbar, die einen Teil ihrer Energie mit unserem System selbst produzieren." (bsc)