Klimakonsequenzen aus der Atomkrise?
Einer Studie der Internationalen Energieagentur IEA zufolge führt der Einbruch beim Neubau von Atomkraftwerken dazu, dass die weltweiten CO2-Ziele womöglich nicht erreicht werden.
- Mike Orcutt
Einer Studie zufolge führt der Einbruch beim Neubau von Atomkraftwerken dazu, dass die weltweiten CO2-Ziele womöglich nicht erreicht werden.
Zu Atomkraft kann man unterschiedlicher Meinung sein – mancher Klimaexperte ist jedoch der festen Überzeugung, dass sie eine wichtige Rolle bei der Eindämmung der CO2-Emissionen spielen muss. Unter dieser Prämisse müssten mehr Kernkraftwerke gebaut werden, wie die Internationale Energieagentur IEA in einer aktuellen Untersuchung schreibt – und zwar schnell.
Der weltweite Bau neuer Atomkraftwerke ging in den letzten Jahrzehnten jedoch deutlich zurück, während die Gesamtenergiemenge, die die Nuklearanlagen liefern, mittlerweile nicht mehr wächst. Bauvorhaben werden vor allem aufgrund hoher Kapitalkosten verlangsamt, zudem gelten die Marktbedingungen als schlecht. Die Atomkatastrophe von Fukushima tat ihr Übriges und sorgte dafür, dass einige Nationen geplante Projekte einstampften, Anlagen abschalteten (Japan) oder einen vollständigen Ausstieg verkündeten (Deutschland).
Das Fehlen von Neubauten gilt der IEA als besonders problematisch, weil es im Schnitt zwischen fünf und zehn Jahren dauert, bis ein Reaktor fertiggestellt ist. Gleichzeitig läuft eine solche Anlage üblicherweise nur zwischen 30 und 40 Jahren. Das heißt auch, dass die AKWs, die in der Hochzeit des Nuklearbooms, den 70er Jahren des vergangenen Jahrtausends, gebaut wurden, nicht mehr lange betrieben werden können. Immer mehr Anlagen stehen vor einer Dekommissionierung.
Die IEA rechnet damit, dass die installierte Kapazität weltweit zwischen fünf und 24 Prozent unter dem liegt, was bis 2025 eigentlich notwendig wäre, um die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Dabei wird versucht, die durchschnittliche globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu beschränken. Laut der Agentur müssten zwischen heute und 2025 sage und schreibe 186 Gigawatt an neuen Nuklearkapazitäten geschaffen werden, das macht rund 17 Gigawatt pro Jahr.
Zu erreichen sind die Ziele wohl auch dann nicht, wenn verschiedene Nationen wie China und Russland mit ihren bereits ambitionierten AKW-Plänen weitermachen. So reichte die Neukapazität in den USA im letzten Jahr gerade einmal aus, um Kraftwerksabschaltungen zu kompensieren. ()