Lasst Raser hoppeln
Verkehrsberuhigung hat ihre Tücken. Zu den besonders umstrittenen Maßnahmen zählen die eigentlich wirkungsvollen Aufpflasterungen, denn sie treffen mehrheitlich die Falschen. Eine schwedische Firma hat die Lösung: Sie lässt nur noch Raser hoppeln
Linköping, 10. Juli 2014 – Verkehrsberuhigung hat ihre Tücken. Zu den besonders umstrittenen Maßnahmen zählen die eigentlich wirkungsvollen Aufpflasterungen, denn sie treffen mehrheitlich die Falschen. Eine schwedische Firma hat die Lösung: Sie lässt nur noch Raser hoppeln.
Mobile Radarfallen sind gut, aber teuer und ihr pädagogischer Effekt eher mäßig. Fix montierte Blitzer sind bald weithin bekannt und in jeder Navigationssoftware verzeichnet, ihrer Erziehungswirkung stehen Aggressionen entgegen. Bremsschwellen sind dagegen vergleichsweise wirkungsvoll, aber auch sie sind umstritten. Die Aufpflasterungen zwingen Verkehrsteilnehmer, zwar eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuhalten, sind aber auch für alle korrekt fahrenden ein Ärgernis.
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Raserbremsen stören alle
Besonders von Aufpflasterungen betroffen sind Linienbusse, Rettungs- und Winterdienstfahrzeuge. Zweiradfahrer, die im Dunkeln die Speedbreaker zu spät erkennen, können sogar darüber stürzen. Und dann sind da noch die Ortskundigen, die versuchen, ihren Schnitt durch abruptes Bremsen und starkes Beschleunigen vor bzw. hinter der Schwelle möglichst hoch zu halten oder gleich auf andere Straßen ausweichen.
In Schweden wird nun nach einer dreijährigen Versuchsphase ein aktives System eingesetzt, das gezielt nur zu schnell fahrende Verkehrsteilnehmer ins Stolpern bringt. In Linköping soll es die Missachtung der Geschwindigkeitsbeschränkung in verkehrsberuhigten Zonen von 70 auf 20 Prozent verringert haben. Auch auf der Öresund-Brücke zwischen der schwedischen Stadt Malmö und der dänischen Hauptstadt Kopenhagen wurde diese Vorrichtung erfolgreich getestet.
Nur noch die Sünder werden gemaßregelt
Es heißt Actibump und kombiniert die Erkennungsleistung eines Radargeräts zur Geschwindigkeitsmessung mit der Abschreckungswirkung der Aufpflasterung. Sobald sich ein Raser nähert, senkt sich eine in die Straße eingelassene Stahlplatte mit der vom Fahrzeug abgewandten Kante um vier Zentimeter ab. Der Effekt beim Überfahren der Stufe ist vergleichbar mit dem einer Bremsschwelle und soll der Verkehrsmoral dienen. Sobald das gemaßregelte Fahrzeug vorüber ist, hebt sich die Platte wieder in Normalposition, harmlose Verkehrsteilnehmer überrollen sie ohne erschreckendes Gerumpel.
Nicht aktiv wird Actibump bei herannahenden Rettungsfahrzeugen im Einsatz, sofern sie mit dem entsprechenden Funksignal unterwegs sind. Zudem bietet die intelligente Schwelle laut Hersteller der Kommune die Möglichkeit, Zweiradfahrer wegen ihres Sturzrisikos von der Bestrafung auszunehmen. (fpi)