Festnetz: Regulierer will Terminierungsentgelte weiter senken

Die Bundesnetzagentur will die Gebühren, die die Telekom anderen Anbietern für die Vermittlung von Gesprächen berechnet, weiter senken. Nach dem Ärger im vergangenen Jahr darf man auf die Reaktion aus Brüssel gespannt sein.

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Die Bundesnetzagentur will die Terminierungsentgelte, die Festnetzbetreiber wie die Telekom anderen Anbietern für die Vermittlung von Telefongesprächen im eigenen Netz berechnen, weiter senken. Für Zusammenschaltungen auf der untersten Netzebene soll die Telekom ab Dezember 0,24 Cent pro Minute in Rechnung stellen, teilte die Regulierungsbehörde am Freitag in Bonn mit. Das gelte auch für Call-by-Call- und Preselection-Verbindungen in ein anderes Netz.

Die Verbindungsentgelte, die Netzbetreiber fĂĽr die Vermittlung an die Telekom zahlen, sollen weiter sinken.

(Bild: dpa)

Für Verbindungen, die von der Telekom auf höheren Netzebenen zugeführt werden müssen und daher mehr Netzelemente in Anspruch nehmen, sollen die Entgelte je nach Tarifzone 0,35 oder 0,42 Cent pro Minute betragen. Neu ist, dass die Bundesnetzagentur auf unterschiedliche Tarife für Haupt- und Nebenzeiten verzichtet. Eine solche Unterscheidung sei im Endkundengeschäft nicht mehr üblich und auch sonst nicht mehr gerechtfertigt, teilte die Behörde dazu mit.

Der Entgeltvorschlag der Bundesnetzagentur wird in knapp zwei Wochen veröffentlicht; interessierte Parteien können dann bis zum 20. August schriftlich Stellung nehmen. Danach werden die EU-Kommission und die Regulierungsbehörden der EU-Mitgliedsländer gehört. Wenn von EU-Seite keine Einwände bestehen, sollen die neuen Entgelte zum 1. Dezember in Kraft treten.

In der Vergangenheit hatte die Berechnung der Terminierungsentgelte allerdings für Streit zwischen Brüssel und der Bundesnetzagentur gesorgt. Die EU-Kommission ist der Ansicht, die Berechnungen der Bonner Behörde entsprächen nicht den EU-Vorgaben. Im EU-Vergleich seien die von der Bundesnetzagentur berechneten Entgelte noch zu hoch. Der deutsche Regulierer bleibt jedoch bei seiner Methode, die auch dem neuen Vorschlag zu Grunde liegt.

Die Entgelte werden "auf der Grundlage eines modernen und effizienten Netzes der nächsten Generation (NGN) ermittelt", heißt es dazu bei der Bundesnetzagentur. "Dabei beansprucht die Sprachtelefonie im Vergleich zu anderen Diensten nur eine vergleichsweise geringe Bandbreite. Dies führt zu deutlich niedrigeren Kosten für die Sprachtelefonie und somit auch zu geringeren Verbindungsentgelten." Brüssel wird sich schon melden, wenn die neuen Entgelte der Kommission nicht zusagen.

Update 11. Juli 2014, 20:15 Uhr:

Die Telekom hat die von der Regulierungsbehörde vorgeschlagenen Entgelte als "ein schlechtes Signal für weitere Investitionen in moderne Breitbandnetze" bezeichnet. "Die Entscheidung ist völlig unverständlich", erklärte der Deutschlandchef der Telekom, Niek Jan van Damme. "Den deutschen Netzbetreibern werden hier erneut in hohem Umfang finanzielle Mittel entzogen, die für den raschen Aufbau dieser Netze notwendig sind." Deutschland drohe im europäischen und weltweiten Wettbewerb um die besten Netze zurückzufallen. (vbr)