"Pop-up-Busse" reagieren schnell auf Kundenbedarf
In Boston arbeitet ein Start-up an einem neuen Verkehrssystem, dessen Routen ĂĽber intelligente Algorithmen bestimmt werden. Zur EinfĂĽhrung sind die Fahrten teurer als bei der etablierten Konkurrenz, aber auch schneller.
Der öffentliche Personennahverkehr ist eher unflexibel. Busse und Bahnen folgen einem festen Fahrplan, der vielleicht einmal im Jahr angepasst wird – und so auf Bedürfnisveränderungen nur langsam reagieren kann. In der US-Ostküstenmetropole Boston versucht sich eine junge Firma namens Bridj nun an einem neuen Ansatz: Sogenannte Pop-up-Busse, die sich den Wünschen der Fahrgäste schnell anpassen können, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Oder zumindest sollen: Die Routen bestimmt Bridj über einen eigenen Algorithmus, der zahlreiche Parameter einbezieht – etwa, in welchen Stadtteilen eine genügend große Zielgruppe lebt, wo sie arbeitet und wo sie ihre Freizeit verbringt. Hier liegen dank Online-Erfassungssystemen mittlerweile sehr genaue Daten vor, die über das hinausgehen, was etwa eine Verkehrszählung leisten kann. So bieten Mobilfunknetzbetreiber schon seit längerem anonymisierte Informationen darüber, wie sich ihre Kundschaft durch Städte bewegt.
(Bild:Â bridj.com)
Hat Bridj interessante Strecken einmal gefunden, werden diese nonstop von Punkt zu Punkt angebunden, zwischengeschaltete Haltestellen gibt es nicht. Innerhalb von drei Monaten sollten so 18 Routen in den Regionen Boston und Cambridge zusammengestellt werden. Bridj selbst ist dabei nicht der Betreiber der Busse: Die Fahrzeuge stellen örtliche Fuhrunternehmer, denen das Start-up nur den Fahrauftrag erteilt.
Billig ist der SpaĂź fĂĽr die Kundschaft bislang allerdings noch nicht. Pro Reise verlangt Bridj momentan zwischen 5 und 8 Dollar, deutlich mehr als die Konkurrenz von der Massachusetts Bay Transportation Authority. DafĂĽr gibt's aber immerhin bequeme Einzelsitze, WLAN und ein paar Gratis-Snacks. In Tests zeigte sich bereits, dass Bridj schneller ist als Bostons Ă–PNV-Anbieter. Das dĂĽrfte allerdings vor allem den Nonstop-Verbindungen geschuldet sein.
Mehr zum Thema in Technology Review online:
(bsc)