Arbeitsmarktexperte: Mehr um ausländische Fachkräfte werben
Arbeitskräfte aus dem Ausland üben in Deutschland nach Ansicht von Arbeitsmarktexperten nicht immer Tätigkeiten aus, die ihrer tatsächlichen Qualifikation entsprechen. Es sei daher wichtig, ausländische Abschlüsse schnell anzuerkennen.
(Bild: Arbeitsagentur)
Eine Chefsekretärin jobbt an der Supermarktkasse, ein Ingenieur hangelt sich als Hilfsarbeiter auf dem Bau von Monat zu Monat: Arbeitskräfte aus dem Ausland üben in Deutschland nach Ansicht von Arbeitsmarktexperten nicht immer Tätigkeiten aus, die ihrer tatsächlichen Qualifikation entsprechen. Es sei daher wichtig, ausländische Abschlüsse schnell anzuerkennen, sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius.
Den Angaben zufolge hat zum Beispiel jeder vierte beschäftigte Ausländer in Sachsen-Anhalt entweder in seiner Heimat eine abgeschlossene Berufsausbildung, einen Meister gemacht oder eine Fachschule absolviert. Jeder Fünfte sei Akademiker. Momentan sei es so, dass in Sachsen-Anhalt 44 Prozent der ausländischen Arbeitnehmer als Fachkraft, 31 Prozent als Helfer und 17 Prozent als Experten tätig sind. Angesichts des demografischen Wandels müssten sich Politik und Arbeitgeber generell dem Thema Zuwanderung noch mehr öffnen, auch wenn damit nicht der gesamte Bedarf an Fachkräften in der Zukunft gedeckt werden könne.
Ausländische Fachkräfte machten bisher um Sachsen-Anhalt eher einen Bogen und suchten sich Beschäftigung in westdeutschen Ballungsräumen. Dort lebten im Gegensatz zu Ostdeutschland seit Jahrzehnten Landsleute, es gebe Netzwerke. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB/Nürnberg) finden zwei Drittel der Zuwanderer ihre erste Stelle in Deutschland über Freunde und Bekannte. Ausländische Fachkräfte beklagen bürokratische Hürden bei der raschen Anerkennung ihrer Abschlüsse.
Es reiche nicht, in Ostdeutschland mit sanierten Wohnungen oder einer guten Kinderbetreuung um Zuwanderer zu werben, betonte Senius. Gut bezahlte Jobs, Karrierechancen und die Anerkennung der Ausbildung ohne bürokratische Hürden seien nötig. "Ansonsten nimmt ein ausländischer Arbeitnehmer eher die Herausforderung in Kauf, eine Wohnung in München oder Stuttgart zu suchen", sagte Senius. Wohnungen gelten in beiden Städten als rar und teuer.
In Sachsen-Anhalt liegt der Anteil ausländischer Arbeitnehmer mit rund 12.500 bei 1,6 Prozent und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 8,3 Prozent. In Deutschland gibt es rund 2,5 Millionen ausländische Beschäftigte. (jk)