Nüchterne Ästhetik der Gründerzeit

Die aufkommende Elektrotechnik prägte die Jahre um die vorletzte Jahrhundertwende. Ein Fotowerk gibt Zeugnis ab.

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Die aufkommende Elektrotechnik prägte die Jahre um die vorletzte Jahrhundertwende. Ein Fotowerk gibt Zeugnis ab.

Das Bild könnte in Deutschland aufgenommen sein, in Südafrika oder in Mexiko: Kleine Menschen stehen vor großen Maschinen und schauen ernst in die Kamera. Der Bildband "Stromzeiten" zeigt, wie stark die Welt schon vor hundert Jahren von einer globalisierten Technik geprägt war. Davon zeugen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Kraftwerken, Straßenbahnen, Fabrikfassaden und Baustellenbaracken, auf-genommen zwischen 1880 und 1930 auf allen Kontinenten.

Die Bilder stammen ausschließlich vom Siemens Historical Institute und sind entsprechend Siemens-lastig. Zudem wiederholen sich viele Motive, da eine Generatorenhalle in Chile so ähnlich aussieht wie eine in China.

Wer sich nicht an diesen Schwächen stört, kann sich mit Genuss in die Technikgeschichte vergraben. Kompetente Bildunterschriften erläutern technische Details, die Begleittexte sparen auch soziale Fragen nicht aus. Vor allem aber lassen die Fotos bei aller Nüchternheit die spezielle Ästhetik der Gründerzeit-Technik wieder aufleben.

"Stromzeiten: Pionierleistungen der Elektrotechnik. Fotografien aus dem Siemens Historical Institute", Deutscher Kunstverlag, 2014, 272 Seiten, 29,80 Euro (bsc)