Kometen-Rendevouz im All: Livestream der ESA zur Ankunft der Rosetta-Sonde
Nach jahrzehntelanger Vorbereitung und einer sechs Milliarden Kilometer langen Reise durchs All erreicht die Raumsonde Rosetta am Mittwoch den Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA berichtet ab 10 Uhr live aus dem Kontrollzentrum in Darmstadt.
Endlich ist es soweit: Nach jahrzehntelanger Vorbereitung und einer sechs Milliarden Kilometer langen Reise durchs All erreicht die ESA-Raumsonde Rosetta jetzt den Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Am Mittwoch (6. August) gegen 11 Uhr MESZ wird die Sonde ein letztes größeres Bremsmanöver einleiten und anschließend in einen Orbit um den Kometen eintreten. Die Parameter des sogenannten CATI-Manövers (Close Approach Trajectory – Insertion) haben die Ingenieure des Flugkontrollteams im European Space Operations Centre (ESOC) bereits auf den Bordcomputer aufgespielt. Die ESA wird ab 10 Uhr live aus dem ESOC berichten und auch neue Bilder vom Kometen zeigen, der bereits für einige Überraschungen gesorgt hat.
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Rosetta schwenkt allerdings nicht sofort in eine elliptische Umlaufbahn um 67P/Tschurjumow-Gerassimenko ein, sondern fliegt zunächst etwa 100 Kilometer lange Schenkel eines Raumdreiecks ab, für die sie jeweils drei bis vier Tage benötigt. Künftig werden jeweils mittwochs und sonntags Steuerdüsen aktiviert, damit Rosetta dem vom Flight Dynamics Team berechneten Annäherungskurs folgen kann. Je näher die Sonde dem Kometen kommt, um so genauer können die Ingenieure auch potenzielle Landeplätze für Lander Philae bestimmen, der im November von der Sonde abgekoppelt werden und selbstständig zur Kometenoberfläche fliegen soll. "Wir müssen einen flachen und ebenen Platz auf dem Kometenkern finden, der groß genug ist, dass wir diesen auch mit dem Philae-Lander treffen können", erklärt ESA-Flugdynamiker Vicente Companys.
Rosetta-Mission (8 Bilder)

Engineering-Model
(Bild: Peter-Michael Ziegler)
Auf Grundlage der bisherigen Fotos könne man aber noch nicht sagen, ob überhaupt solche Stellen auf dem Kometen existieren, verdeutlicht Companys. Ein weiteres Problem stelle die Aktivität des Kometen bei der Annäherung an die Sonne dar. "Voraussichtlich wird er zum Landezeitpunkt Gase ausstoßen. Die Widerstandskräfte, die davon auf den Satelliten ausgehen, können wir jetzt noch nicht genau vorhersagen. Da sind wir auf Rosettas spätere Messungen angewiesen." Weniger Sorgen bereitet den Ingenieuren hingegen das inhomogene Gravitationsfeld des Kometen, dessen Kern sehr unregelmäßig geformt ist und offenbar aus zwei Teilen besteht. Zwar würden die Berechnungen dadurch etwa komplizierter, größere Ablenkungen beim Lander-Abstieg seien aber nicht zu erwarten, sagt Companys.
Die Rosetta-Sonde war am 2. März 2004 ins All gestartet. Nach mehreren Swing-bys (3 x Erde, 1 x Mars) und zwei Asteroiden-Besuchen versetzten die Flugingenieure Rosetta Mitte 2011 für rund zweieinhalb Jahre in einen Maschinen-Tiefschlaf, aus dem sie Anfang 2014 erwachte. Im Juli konnte die Sonde dann aus rund zehntausend Kilometer Entfernung erstmals ein Foto aufnehmen, das die tatsächliche Form des Zielkometen zeigt: Statt des erwarteten kartoffelförmigen Brockens entpuppte 67P/Tschurjumow-Gerassimenko sich als wirbelnde Gummiente. Die Sonde und der Lander sind mit insgesamt 21 wissenschaftlichen Instrumenten bestückt, die unter anderem Aufschluss darüber geben sollen, ob Kometeneinschläge womöglich wichtige Bausteine für die Entstehung von Leben auf unserem Heimatplaneten geliefert haben. (pmz)