Virtueller Marktplatz für den Einzelhandel

Der Einzehandelskonzern Metro geht mit Sears (USA), Carrefour (Frankreich) und Sainsburys (Großbritannien) beim E-Commerce zusammen.

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Von
  • Jürgen Kuri

Nach der Automobil- und Chemie-Industrie gehen jetzt auch die Einzelhandelskonzerne online: Die Kölner Metro AG arbeitet zukünftig mit den Warenhaus- und Supermarkt-Unternehmen Carrefour aus Frankreich, Sears aus den USA und Sainsburys aus Großbritannien beim E-Commerce zusammen. Die Einzelhandelsriesen wollen gemeinsam den Internet-Marktplatz GlobalNetXChange zum Datentransfer zwischen den Unternehmen und mit Zulieferern für den Einzelhandel nutzen. Die Metro wird einen Kapitalanteil an GlobalNetXChange erwerben. Das Unternehmen war Ende Februar als Joint Venture von Sears, Carrefour und dem Datenbankhersteller Oracle speziell für den virtuellen Retail-Markt gegründet worden. Im Mai will die Metro zudem weitere Pläne zur Forcierung des eigenen Internet-Auftritts bekannt geben.

Der virtuelle Marktplatz für den Einzelhandel soll aber nach Aussagen der Metro die Einkaufsmacht der Großkonzerne nicht weiter bündeln, sondern vor allem einen einheitlichen Kommunikationsstandard zwischen den Unternehmen und den Lieferanten befördern. Ähnlich wie in anderen klassischen Industrien dürften sich die Handelsgiganten aber vom so genannten B2B-E-Commerce (Business-to-Business) erwarten, dass endlich die Rationalisierungsgewinne realisiert werden, die die EDV und besonders das Internet schon lange in Aussicht stellen. Die Vernetzung zwischen Kunden und Anbietern, zwischen Zulieferern und Herstellern, zwischen Transporteuren, Lieferanten und Abnehmern verspricht entscheidende Kostenvorteile. Das reicht von Konkurrenz beim Preis bis zur geschlossenen Lieferkette von Zulieferer über Hersteller und Anbieter bis zum Kunden.

Zwischen 114 und 131 Milliarden US-Dollar sollen mit B2B nach verschiedenen Analysen im Jahr 1999 umgesetzt worden sein. Für das Jahr 2004 erwarten Marktforschungsinstitute dann nach optimistischen Analysen schon 2,7 oder gar 7,3 Billionen US-Dollar; konservative Schätzungen gehen immerhin noch von rund 1,5 Billionen US-Dollar aus. Dagegen wirken die Umsätze beim Online-Shopping eher marginal: Von 20,3 Milliarden 1999 sollen sie auf gerade einmal 185 Milliarden US-Dollar im Jahr 2004 steigen. Damit würde das Online-Shopping der Privatkunden selbst in einigen Jahren gerade einmal knapp über den Umsätzen liegen, die heute schon mit dem elektronischen Handel zwischen Unternehmen erzielt werden. Einen ausführlichen Bericht über die Entwicklungen beim B2B-E-Commerce bringt c't in Ausgabe 7/2000 (ab dem 27. März im Handel). (jk)