Copland häppchenweise
MacOS 8 kommt – gestückelt, aber innovativ.
'Copland is dead' titelte die amerikanische MacWeek. Mitnichten: das MacOS der achten Generation wird kommen, aber anders als erwartet. Statt eines monolithischen Systempakets im Sommer 97 soll es peu à peu mehrere 'Major releases' im Halbjahrestakt und kleinere Updates dazwischen geben. Derzeit existieren von Copland nur wenige Teile. Das Endprodukt ist, so scheint es, Jahre entfernt. Apple-Chef Amelio sieht in der neuen Taktik wohl die einzige Chance, MacOS 8 überhaupt noch in absehbarer Zeit auf den Markt zu bringen. Die neuen Systemkomponenten werden unterschiedlich schnell fertig. 'Trotzdem soll der Anwender so früh wie möglich von den Vorteilen profitieren', sagt der CEO. Natürlich steckt hinter dieser Vorgehensweise zugleich eine clevere Marketingstrategie. Experten hielten es nämlich für sehr unrealistisch, daß Apple zum nächsten Sommer das heiß ersehnte Betriebssystem fertig bekommt. Doch auch die neue Taktik bleibt nicht unkritisiert. Entwickler fragen sich, wann sie denn nun ihre Software wie anpassen sollen. Daß es Apple gelingen wird, ein solch komplexes Machwerk wie Copland in Portionen fertigzustellen, die dann auch noch untereinander harmonieren sollen, stellt so mancher Marktbeobachter in Frage. Die Konfusion wird perfekt durch die jüngsten Gerüchte, nach denen sich Apple um einen fremden Kernel für Copland bemüht - bei Be (BeOS) und Microsoft (Windows NT) gleichermaßen. Apples Pläne sehen jedenfalls je ein Update und eine Major Release für die zweite Hälfte 1997 und die erste Hälfte 1998 vor. Den Auftakt macht das System 7.5 Update 3.0 Ende dieses Jahres, das noch einmal Stabilität und Performance nachbessert. Im Januar 97 folgt die erste Release (Codename Harmony). Im Juni 97 will Apple erste Häppchen von MacOS 8 servieren, darunter den Appearance Manager für verschiedene Oberflächendesigns. Der Microkernel, die neue Memory-Technologie mit echtem Speicherschutz und das präemptive Multitasking dürften erst zum Schluß hinzukommen. MacOS 8 läuft hardwareunabhängig (ohne die Mac-ROMs) zum Beispiel auf PowerPC-Plattform-Rechnern und verteilt Prozesse selbständig auf mehrere CPUs. Ähnlich wie Windows NT wird es immer mit virtuellem Speicher arbeiten, der aber deutlich besser und schneller sein soll als in System 7.x. Dank eines konsequenten DLL-Modells sollen die Applikationen in Zukunft deutlich weniger Speicher verbrauchen. Das I/O-System dürfte drastische Verbesserungen erfahren, ebenso wie die Netzwerkperformance. Internet-Software wird eingebaut sein. Neben Cyberdog sind das ein PPP-Stack sowie ein eingebauter ARA-Client zur Einwahl und ein Java Runtime Kit. WWW-Browser werden hinfällig; Netscape arbeitet bereits an einem OpenDoc-Navigator. Das zukünftige MacOS soll überdies seinen Anwender aktiv unterstützen - lernen, wie seine typischen Arbeitsschritte aussehen, um sie ihm abzunehmen. Apple verspricht, 'Ease of use' neu zu definieren. (se)
(se)