Liegt Suizid in den Genen?
Forscher versuchen, das genetische Risiko zu bestimmen, dass sich ein Mensch irgendwann selbst tötet. Ein Start-up will sogar einen Gentest anbieten, um das erblich bedingte Suizid-Risiko beziffern zu können.
Haben Suizide (auch) erbliche Ursachen? Ein Start-up und eine Forschungsgruppe wollen das MutmaĂźen nun auf eine biologische Grundlage stellen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Indem sie die Gehirne von Suizidopfern analysieren und Menschen untersuchen, die sich mit Suizid-Gedanken tragen.
Sundance Diagnostics aus Boulder, Colorado will basierend auf den Forschungsergebnissen gar einen Suizid-Risikotest anbieten. Er ist zunächst nur auf Patienten ausgelegt, die bereits Antidepressiva wie Prozac nehmen. Sundance Diagnostics baut auf einer Studie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München auf. Dort hatten Wissenschaftler 2012 die Gene von 898 Antidepressiva-Konsumenten analysiert und dabei 79 genetische Marker identifiziert. Die würden zusammengenommen eine 91-prozentige Wahrscheinlichkeit für "Suizid-Gedanken" ergeben, schlossen die Forscher.
"Die Zahl derer, die sich tatsächlich das Leben nehmen, ist nicht groß, aber wer wollte schon das Leben seiner Nächsten riskieren?", sagt Sundance-CEO Kim Bechthold. "Sie möchten doch nicht Roulette mit dem Leben etwa Ihres Kindes spielen."
Die Sundance-Gentests für ein Suizidrisiko sollen anhand von Speichelproben vorgenommen werden. Der US-Markt könnte jedenfalls groß genug sein: Nach einer Schätzung des U.S. Centers for Disease Control (CDC) von 2011 nehmen elf Prozent aller US-Bürger über zwölf Jahren Antidepressiva.
Fachleute beurteilen die Idee mit dem Test jedoch skeptisch. Immer wieder werden in Genom-Analysen mögliche Verbindungen von Genen und Krankheiten entdeckt, die sich später als nicht haltbar herausstellen. So wurden auch diverse Gene mit Suizid in Verbindung gebracht, jedoch konnte nie ein harter Nachweis geliefert werden.
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(bsc)