Bakterienspray für öffentliche Toiletten

Mit Hilfe von Mikroorganismen wollen chinesische Forscher mehr Hygiene in die Bedürfnisanstalten des Landes bringen.

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Öffentliche Toiletten in China stinken nicht selten zum Himmel. Viele der Einrichtungen, vor allem in den ländlichen Regionen, haben weder Spülungen noch eine Verbindung zu einem Abflussrohr. Exkremente liegen teilweise monate- oder gar jahrelang in den Schächten, ehe sie von Hand entsorgt werden. Die Behörden in der Provinz Sichuan hatten nun endgültig die Nase voll und drängten die staatliche Akademie der Wissenschaften in Chengdu, eine Lösung zu finden, berichtet Technology Review.

(Bild: GraffitiBatYam1 / Wikipedia / cc-by-sa-3.0)

Fünf Forscher arbeiteten rund drei Jahre daran. Jetzt legten sie eine "ultimative Lösung für ein dringendes nationales Problem" vor, wie der Bakteriologe und Projektleiter Yan Zhiying sagt: Sie fanden ein Bakteriengemisch mit großem Appetit auf Kot und Urin. Die Einzeller vertilgen die Exkremente und beseitigen so auch einen großen Teil des Geruchs. Gleichzeitig verbreiten sie einen Duft von Orangen, um übrig gebliebene Gerüche zu übertünchen.

Um die richtige Mischung für ihre Gestankkiller zu finden, experimentierten die Wissenschaftler mit 100 verschiedenen Mikroorganismen aus den Därmen von Mensch, Schwein oder Huhn. Herausgekommen ist eine Substanz, die aus sechs Bakterienstämmen besteht, unter anderem Lactobacillus aus der Familie der Milchsäurebakterien, die auch bei der Produktion von Käse oder Joghurt verwendet werden.

Enthalten sind zudem Saccharomycetes (Echte Hefe) und eine Form der Actinobakterien. Die Wissenschaftler packten die Einzeller in ein Spray. Es kostet rund 2,50 Euro pro halbem Liter und soll für den Menschen ungefährlich sein. Wie lange eine Dose hält, ist noch nicht endgültig geklärt, dürfte jedoch auch davon abhängen, wie rege die Toilette frequentiert wird und welche Außentemperaturen herrschen.

Zunächst wird das Spray in Touristentoiletten in den Nationalparks in Sichuan eingesetzt, später jedoch könnte es landesweit für gut duftende stille Örtchen sorgen. Bis zu 1200 Tonnen könnten die Forscher im Jahr produzieren. Kleiner Haken: Für einen idealen Einsatz der Bakterien sind mindestens 26 Grad Celsius nötig. Viele öffentliche Toiletten sind jedoch im Winter unbeheizt. Allerdings ist der Gestank dann ohnehin nicht ganz so schlimm. (Marcel Grzanna) / (bsc)