D-Wave: Praktische Quantencomputer-Anwendungen "bei ersten Kunden"

Der Chef des Quantencomputer-Start-ups D-Wave spricht im Interview mit Technology Review darĂĽber, wie seine Rechner Wall-Street- und Gesundheitsfirmen helfen sollen.

vorlesen Druckansicht 45 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Laut Vern Brownell, CEO von D-Wave Systems, sind erste Quantencomputer der Firma im eingeschränkten praktischen Einsatz. Das sagte er in einem Interview gegenüber Technology Review. "Bei uns laufen jetzt zwölf Maschinen. Ein paar von ihnen sind online; man kann über das Internet auf einen Rechner zugreifen. Es ist kein Produkt und nichts, was für jeden verfügbar wäre, aber wir haben Kunden, die reale Sachen mit den Rechnern anstellen." Man sehe bereits Ergebnisse, die "besser" seien als die klassischer Systeme. "Kunden haben ihre Anwendung und integrierten Quantenberechnungen und sie werden leistungsfähiger."

Seit D-Wave im Jahr 2007 den laut eigenen Angaben ersten Quantencomputer der Welt vorstellte, zog die kleine kanadische Firma allerlei Kontroversen auf sich. Maschinen, die dazu fähig sind, die Quantenphysik für Berechnungen zu nutzen, könnten eines Tages Probleme in Sekunden lösen, für die konventionelle Computer Millionen von Jahren brauchen. Doch ob die D-Wave-Rechner überhaupt solche Quantentricks nutzen, um Daten effizienter zu verarbeiten, gilt unter Fachleuten als umstritten.

Brownell sagte nun, mindestens zwei Firmen nutzten die Maschinen. 1Qbit entwickele Algorithmen für die Börsenportfolio-Optimierung mit D-Wave-Technik. "Wir geben ihnen etwas Training und unsere Expertise mit, doch zumeist werkeln sie allein an dem Projekt. Wenn sie also einen tollen Algorithmus finden, der Wall-Street-Händlern einen Haufen Geld macht, ist das ihr geistiges Eigentum, nicht unseres", sagte Brownell.

Als weiteres Beispiel nannte er DNA-Seq, wo gerade eine Krebstherapie auf Basis neuer Medikamente entwickelt wird. Die Pharmafirma versuche, die molekularen Interaktionen von Proteinen, sogenannten Kinasen, zu verstehen. "Das ist ein enorm schweres Rechenproblem. DNA-Seq nutzt zwar nicht nur Quantencomputer, doch sie glauben, dass diese ihnen einen Teil ihrer Arbeit erst ermöglichen."

Mehr zum Thema bei Technology Review:

(bsc)