Ausfall bei WLAN: Cockpit-Displays mĂĽssen getauscht werden

Bestimmte Bildschirme in Boeing-Cockpits können durch WLAN und andere Funksignale gestört werden. Die US-Behörde FAA befiehlt nun den Austausch der Displays.

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Bildschirme in den Cockpits von weit verbreiteten Boeing-Flugzeugen müssen ausgetauscht oder umgebaut werden, weil sie durch Funksignale beeinträchtigt werden könnten. Dabei ist auch ein Software-Update erforderlich. Eine Anordnung dazu will die US-Luftsicherheitsbehörde FAA am heutigen Mittwoch erlassen. Betroffen sind Flugzeuge der Baureihe Boeing 777 sowie die Typen 737-600, -700, -700C, -800, -900 und -900ER, sofern sie Honeywell-Displays der dritten Generation (Phase 3) installiert haben.

Ryanair betreibt rund 300 Boeing 737-800. In deren Cockpits sind über 700 anfällige Bildschirme von Honeywell verbaut.

(Bild: CC-BY 2.0 by Ruthann from Western Ireland)

Da jedes Cockpit mehrere Displays dieser Bauart enthalten kann, gehen die Gesamtkosten in die Millionen. Bereits 2011 war im Zuge der Installation von WLAN in einer Boeing-Maschine der kurzzeitige Ausfall eines Cockpit-Bildschirms beobachtet werden. Im Flug zeigen diese Displays elementare Informationen an wie Flugtempo, Höhe, Lage des Flugzeugs, Flugrichtung und Navigationsdaten. Es folgten Tests mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Mehrere Fluglinien erkennen keine reale Gefahr, weil nur ein starker WLAN-Sender im Abstand noch höchstens einem Meter die Displays flackern oder für einige Zeit ausfallen lassen würde. Eine Beschichtung der hinteren Cockpitwand gegen WLAN-Signale reiche daher aus. Manche, wie etwa Ryanair, beklagen auch die mit dem Austausch verbundenen Kosten.

Die FAA hingegen beruft sich auf andere Testergebnisse, etwa von Boeing und Honeywell. Demnach sei keineswegs nur WLAN aus dem Flugzeug selbst ein Problem für die Bildschirme. Vielmehr seien die Geräte anfällig für Funkfrequenzen von in- und außerhalb des Flugzeugs in unterschiedlichen Frequenzbändern, darunter jene von Satellitenhandys, der Luftraumüberwachung, Mobiltelefonen und dem Wetterradar.

Ganz so triftig kann das Problem aber nicht sein: Die Betreiber haben bis Herbst 2019 Zeit, die Bildschirme entweder umzubauen oder durch nicht anfällige Modelle (Phase 1, 2 oder 3A) auszutauschen. Die FAA schätzt, dass alleine in den USA über 1300 Flugzeuge betroffen sind. Pro Maschine werden zwei Stunden Arbeit veranschlagt.

Auf der CES International im Januar war über das Sicherheitsrisiko, das von den Geräten der Passagiere ausgeht, diskutiert worden. Fazit: Laptops im Flugzeug sind gefährlich – als Projektile. "Das Problem sind nicht ausfallende Anzeigen im Cockpit oder Denial-of-Service Szenarien, damit können wir umgehen", sagte Bill de Groh von der Air Line Pilots Association International damals, "Gefährlich sind verfälschte Anzeigen." Von verfälschten Anzeigen ist in der FAA-Anordnung nicht die Rede. (ds)