"Smarte" Yogamatte soll dank Crowdfunding Realität werden

Ein Start-Up will das im Juni vorgestellte Konzept einer "intelligenten" Matte, die zusammen mit einer Tablet-App Yogis bei der Praxis korrigiert, Wirklichkeit werden lassen. Auf Indiegogo sammelte "SmartMat" dafĂĽr bereits ĂĽber 100.000 US-Dollar ein.

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Im Juni hatte das Unternehmen Lunar unter dem Namen "TERA" das Konzept einer mit Drucksensoren ausgestatteten Fitnessmatte vorgestellt, die laut Entwickler "den Körper und jede Gewichtsverlagerung exakt wahrnehmen". Die darüber erfassten Daten sollen in der App analysiert werden und sich dann in Social-Media-Netzwerken mit anderen teilen oder mit einem Personal Trainer abstimmen lassen.

Die SmartMat unterscheidet sich äußerlich kaum von gewöhnlichen Yogamatten. Trotz integrierter Elekronik soll sie sich aufrollen lassen.

(Bild: SmartMat)

Nun will das Start-Up SmartMat um den Entrepreneur Neyma Jahan diese Vision in Form einer "smarten" Yogamatte dank Crowdfunding Realität werden lassen. Und die Aussichten dafür stehen aus finanzieller Sicht sehr gut: Das junge Unternehmen konnte seit dem Start der Kampagne am gestrigen Dienstag bereits über 100.000 der angestrebten 110.000 US-Dollar über die Plattform Indiegogo einsammeln (Stand Mittwochmittag). Die zum Stückpreis von 247 US-Dollar angebotenen "SmartMat"-Matten sollen ab Juli 2015 ausgeliefert werden, der Listenpreis bei 447 US-Dollar liegen. Da die Kampagne bis zum 30. Oktober läuft, besteht kein Zweifel, dass das Fundingziel erreicht wird.

Laut Indiegogo-Seite arbeitet die "SmartMat" in drei verschiedenen Modi: "In Home Private", "In Class Assist" und "Zen". In der erstgenannten Betriebsart wird ein Programm auf dem gekoppelten Smartphone oder Tablet mit entsprechenden Instruktionen abgespielt. Da die in der 180 cm x 66 cm großen und 6 mm dicke Yogamatte integrierten Sensoren laut Entwickler auch kleinste Bewegungen korrekt erfassen, ließe sich etwa ermitteln, ob ein Yogi oder eine Yogini im "Virabhadrasana II" (Krieger II) die Außenkante des hinteren Fusses korrekt belastet. Die App auf dem per Bluetooth gekoppelten Android- und iOS-Mobilgerät soll dann die passenden Mikrokorrekturen ansagen.

Die in der SmartMat integrierte Sensoren sollen die Positionen von Händen und Füßen ermitteln, sowie den jeweiligen Druck, den diese auf die Matte ausüben.

(Bild: SmartMat)

Im "Zen"-Modus werden über die App keine Instruktionen gegeben; die SmartMat zeichnet aber laut Entwickler die gesamte Praxis für eine spätere Analyse auf. "In Class Assist" liegt praktisch dazwischen: Die Matte zeichnet während einer gewöhnlichen Yogastunde im Studio Haltungen auf, die App gibt dem Praktizierenden dabei Korrekturhinweise – auf Wunsch nur in visueller Form oder als gesprochene Instruktionen (über Bluetooth-Kopfhörer), um die anderen Yogis nicht zu stören.

Die Akkus in der Matte sollen sich über ein USB-Ladegerät aufladen lassen und dann bis zu 6 Stunden Energie für die Sensoren und die Funktechnik bereitstellen. Trotz der eingebauten Elektronik soll sich die Matte beim Hot Yoga (hohe Temperaturen bei hoher Luftfeuchtigkeit) einsetzen und aufrollen lassen.

Die Entwickler der "intelligenten" Yogamatte wollen einen eigenen virtuellen Shop einrichten, über den Nutzer Übungsprogramme herunterladen können.

Bei genauerer Betrachtung bleiben einige Fragen offen. Zu den drängendsten gehört zweifellos, von welcher Lebensdauer man bei einer rund 250 US-Dollar teuren Yogamatte (in der Vorbesteller-Version) ausgehen darf. Aktuell halten selbst hochpreisige gewöhnliche Matten für 75 bis 100 Euro bei häufig praktizierenden Yogis oft kaum länger als 9 Monate.

Aus technischer Sicht steht zudem ein großes Fragezeichen hinter dem Algorithmus, der die einzelnen Körperhaltungen (Asanas) voneinander unterscheiden soll. Zwar geben die Entwickler an, dass für jede Asana ein passendes Muster in der App hinterlegt werde und die User die SmartMat bei der ersten Nutzung "auf den eigenen Körper" kalibrieren müssten. Doch während man sich bei vorgegebenen Sequenzen noch vorstellbar mag, dass die App stets die korrekte Asana erkennt, scheint dies im Modus "In Class Assist" doch sehr optimistisch.

Die veröffentlichten Videos sind hier nicht hilfreich, da sie letztlich nur Werbeaussagen enthalten und keinerlei wirklich brauchbaren Informationen. Auch die angebliche Anmeldung zur Patentierung ist bei genauerer Betrachtung nur ein Antrag auf einen vorläufigen Antrag, der aus juristischer Sicht lediglich der Vorbereitung eines späteren "echten" Antrags dient und selbst keine Prüfung auslöst.

Die Präsentation der Firma und des Produkts lässt bei genaurer Betrachtung sogar Zweifel an der Seriösität des Start-Ups aufkommen. Während SmartMat laut Indiegogo-Seite etwa in Venice Beach (Kalifornien/USA) beheimatet ist, findet man auf der Website des Unternehmens eine Kontaktadresse in Hongkong. Über Firmenchef Neyma Jahan, der nach eigener Darstellung über 20 Jahre Branchenerfahrung mitbringt, lässt sich im Netz recht wenig finden. Offenbar hat er zuvor eine Bezahl-Plattform für den südostasiatischen Raum ins Leben gerufen, deren App aber entgegen der offiziellen Darstellungen nicht in Apples App Store zu finden ist. Kurioserweise ist er zudem in der Internet Movie Database eingetragen. (nij)