David macht Dampf

Segway-Erfinder Dean Kamen hat eine Methode zur Wasseraufbereitung erfunden, die selbst die dreckigste Brühe reinigt – und das auch noch energiesparend.

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Segway-Erfinder Dean Kamen hat eine Methode zur Wasseraufbereitung erfunden, die selbst die dreckigste Brühe reinigt – und das auch noch energiesparend.

Wir könnten die Hälfte aller Krankenhausbetten weltweit überflüssig machen", sagt Dean Kamen. Das klingt großspurig, aber der 63-Jährige ist kein Schwätzer. Bekannt wurde er vor allem als Erfinder des Elektrorollers Segway. Doch seine ersten Hits waren eine tragbare Infusionspumpe und ein schonendes Dialyseverfahren. Letzteres benötigte große Mengen reinen Wassers. Und so stieß der Universalerfinder auf das Thema Wasseraufbereitung.

Laut Weltgesundheitsorganisation haben 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Doch herkömmliche Aufbereitungsanlagen sind teuer und können bestimmte Schadstoffe wie Schwermetalle nicht beseitigen. Also suchte Kamen nach einem besseren Verfahren. Was dabei herauskam, ist eine Maschine namens "Slingshot" (Steinschleuder). So wie David mit einer kleinen Schleuder den großen Goliath besiegt hatte, will Kamen mit seiner Anlage das globale Trinkwasserproblem lösen.

Das Gerät ist etwa 140 Kilogramm schwer und soll, so Kamen, alles schlucken, was "irgendwie nass aussieht" – also selbst übelste Abwässer. Sie werden im Inneren der Maschine nicht gefiltert, sondern destilliert. Das Endprodukt ist reines H2O. Entgegen gängiger Vorurteile kann man es durchaus in gewissen Maßen trinken, ohne seinen Elektrolyt-Haushalt zu stören.

Die Idee der Wasserdestillation ist nicht neu, war wegen des immensen Energiebedarfs bisher aber nie praktikabel. Kamen ließ sich deshalb einen Trick einfallen: Der Wasserdampf wird von einem kleinen Kompressor verdichtet, sodass er kondensiert. Die dabei frei werdende Kondensationswärme gelangt über einen Wärmetauscher wieder zurück in den Prozess. Das Ganze klingt nach einem Perpetuum mobile, ist aber keines – insgesamt braucht die Maschine immer noch rund 1000 Watt. Das ist laut Kamen allerdings nur zwei Prozent dessen, was eine vergleichbare herkömmliche Anlage benötigt. Bei einer Tagesproduktion von 800 Litern entspricht das 0,03 Kilowattstunden pro Liter.

Wenn es kein Stromnetz gibt, sollen Solarzellen einspringen oder ein von Kamen entwickelter Stirling-Generator, der alles Brennbare verwertet. Die Idee brachte Kamen viel Aufmerksamkeit. Was ihm jedoch fehlte, war ein Vertriebspartner. Schließlich ist der Slingshot für die entlegeneren, ärmeren Gegenden der Welt gedacht. Doch selbst dort gibt es meist eine Coke zu kaufen. Kamen tat sich deshalb mit Coca-Cola zusammen.

Die ersten Anlagen wurden 2011 in Ghana aufgestellt, in diesem Jahr kamen weitere Installationen in lateinamerikanischen Schulen und Gesundheitszentren hinzu. Künftig sollen die Slingshots vor allem als Teil der sogenannten Ekocenter verbreitet werden. Das sind knallrote Container, die Coca-Cola als "Innenstadt in einer Kiste" bezeichnet. Sie bieten unter anderem einen Kiosk, Medikamente, sanitäre Einrichtungen, Internetzugang und eben Trinkwasser. Bis 2015 will Coca-Cola gemeinsam mit Partnern 1500 bis 2000 Ekocenter aufstellen.

Die ersten handgefertigten Prototypen der Slingshot haben rund 100000 Dollar gekostet. Kamen hofft, die Kosten durch Serienfertigung auf rund 2000 Dollar senken zu können. Finanziert werden die Ekocenter unter anderem durch die gemeinnützige Coca-Cola Foundation. Am genauen Geschäftsmodell werde aber noch gefeilt, gibt Coca-Cola zu. Auf jeden Fall sollen die Ekocenter nicht vom Konzern selbst, sondern von lokalen Franchise-Nehmern in eigener Regie betrieben werden. (grh)