US-Handelsaufsicht straft Privatsphäre-Gütesiegelfirma TRUSTe ab
Die Federal Trade Commission (FTC) und TRUSTe haben ihren Streit über Zertifizierungspraktiken des Anbieters von Datenschutz-Gütesiegeln für Internetfirmen beigelegt. Das Unternehmen muss 200.000 US-Dollar Buße zahlen.
(Bild: United States Department of State)
Die umstrittene Selbstkontrolle beim Datenschutz in der US-Internetwirtschaft funktioniert nicht immer plangemäß. Die US-Handelsaufsicht hat die Unternehmung TRUSTe, die Ende der 1990er als Vorzeigeorganisation für Privatsphäre-Gütesiegel gestartet war, jetzt im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs zum Zahlen einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 US-Dollar verdonnert. Die Einrichtung darf zudem ihren mittlerweile angenommenen kommerziellen Charakter nicht mehr verheimlichen und muss Falschdarstellungen ihres Zertifizierungsprogramms unterlassen.
Online-Daten
TRUSTe prüft nach eigenen Angaben die Verfahren zum Sammeln und Verarbeiten von Nutzerdaten bei Webshops, Cloud- oder App-Anbietern und anderen Online-Firmen. Dabei geht es vor allem um die Einhaltung spezieller staatlicher Vorgaben wie dem US-Gesetz zum Datenschutz für Kinder im Internet in Form des Children's Online Privacy Protection Act (COPPA) oder dem transatlantischen Safe-Harbor-Abkommen, das europäische Datenschützer immer wieder als zu löchrig kritisieren. Nach erfolgreicher Zertifizierung darf ein getesteter Programmteilnehmer ein gut erkennbares TRUSTe-Logo als eine Art Vertrauensnachweis auf seiner Webseite führen.
Die FTC hatte dem kalifornischen Unternehmen vorgeworfen, zwischen 2006 und Anfang 2013 in über 1000 Fällen nicht die nötigen erneuten Prüfungen und Bestätigungen durchgeführt zu haben, die nach TRUSTe-Angaben eigentlich jährlich erfolgen sollten. Zudem habe die Institution in ihrem Muster für Programmbeschreibungen und Datenschutzerklärungen, die auf den Seiten von Kunden abrufbar sein müssen, nicht die Passage korrigiert, dass es sich nur anfangs um eine nicht-profitorientierte Organisation gehandelt hat.
Transparenz
Mit dem Vergleichsangebot hat die Handelsaufsicht TRUSTe auch erweiterte Dokumentationspflichten auferlegt. So muss der Gütesiegelspezialist künftig der FTC jährlich detaillierte Informationen rund um seine COPPA-Aktivitäten liefern und die zugehörigen umfangreichen Datensätze zehn Jahre lang aufbewahren. Die vorgeschlagene Formulierung kann noch bis zum 17. Dezember öffentlich online kommentiert werden, bevor die Behörde ihr finales Votum fällen will. Jede Verletzung der Auflagen könnte im Anschluss mit bis zu 16.000 US-Dollar geahndet werden.
TRUSTe-Geschäftsführer Chris Babel erläuterte in einem Blogeintrag, dass über 90 Prozent der mehrjährigen Kunden dem Programm für zwei Jahre beigetreten und so größtenteils nur einmal in 24 Monaten überprüft worden seien. Dies habe aber nicht mehr als zehn Prozent der jährlich fälligen erneuten Zertifizierungen in dem untersuchten Zeitraum ausgemacht. Babel versprach, die Prozesse rasch abzuändern im Einklang mit der FTC-Vereinbarung. (jk)