Tower an Drohne: Bitte kommen!
Ein US-Unternehmen entwickelt eine automatische Flugüberwachung für kommerzielle Drohnen-Flotten. Vor allem die Sportfliegerei könnte ihnen sonst in die Quere kommen.
- Tom Simonite
- Gregor Honsel
Ein US-Unternehmen entwickelt eine automatische Flugüberwachung für kommerzielle Drohnen-Flotten. Vor allem die Sportfliegerei könnte ihnen sonst in die Quere kommen.
Seit 2007 hat sich die Zahl der zivilen Drohnenmodelle mehr als verdreifacht. Geht der Trend ungebremst weiter, dürfte es bald eng werden im Luftraum. Ein US-Start-up namens Airware, das Hard- und Software für die Steuerung von Drohnen herstellt, arbeitet nun mit der Nasa daran, künftige kommerzielle Schwärme in den Griff zu bekommen. Das auf vier Jahre angesetzte Programm soll verschiedene Wege aufzeigen, wie sich Drohnen in die hoch reglementierte Luftüberwachung eingliedern lassen.
Vom Erfolg dieses Projektes könnte die weitere Verbreitung von kommerziellen Drohnen abhängen – auch in Deutschland. "Wir werden widerstrebende Interessen bei der Nutzung des Luftraums haben", sagt Jesse Kallman, Entwicklungschef bei Airware. "Stellen Sie sich vor, Amazon versucht Pakete auszuliefern in einer Gegend, in der ein Stromversorger gerade seine Hochspannungsleitungen kontrolliert."
Der erste Prototyp des neuen Überwachungssystems basiert auf Internet-Technologie. Kommerzielle Flottenbetreiber sollen ihre Flugpläne ins Netz laden, damit eine Software die Vorhaben mit denen anderer Schwärme, dem Wetter und physischen Hindernissen wie Funkmasten abgleichen kann, bevor sie grünes Licht gibt.
In späteren Projektphasen soll die Software Drohnen auch aktiv im Flug beeinflussen können. Voraussetzung dafür ist ein verlässlicher Kommunikationskanal. Airware sieht im Mobilfunk die beste Option, weil die Funkausrüstung konventioneller Luftfahrzeuge zu sperrig wäre. Über das Handynetz könnte man beispielsweise Schwärmen befehlen, sich aufzuteilen, wenn Flotten verschiedener Betreiber in der gleichen Gegend unterwegs sind. Oder eine Drohne würde das Kommando zur Umkehr oder sofortigen Landung bekommen, wenn sie ihre freigegebene Flugroute verlässt. Die Anweisungen können dabei je nach Situation variieren, sagt Airware-Chef Jonathan Downey – etwa danach, wie schwer eine Drohne oder wie nahe sie an bewohntem Gebiet ist.
Schon im nächsten Jahr will Airware an einer Nasa-Basis in Kalifornien erste Flugtests durchführen. Mit dabei sollen neben Quadrokoptern auch Helikopter oder sogar Flugzeuge sein. Die Projektpartner wollen untersuchen, wie das Zusammenspiel der verschiedenen Luftfahrzeuge funktioniert. Letztlich will die Nasa erreichen, dass Drohnen automatisch Platz machen, wenn etwa ein Hubschrauber oder Sportflieger naht. "Die größte Herausforderung wird sein, eine große Flotte von Amazon-Paketdrohnen mit den Piper-Cub-Piloten unter einen Hut zu bringen, die am Wochenende einfach nur herumfliegen wollen", sagt Ella Atkins, Professorin für Luftfahrttechnik an der University of Michigan.
Sie hält das allerdings nicht allein für ein technisches, sondern auch für ein regulatorisches Problem. Die Regeln der US-Luftfahrtbehörde FAA stammen noch aus einer Zeit, als es ausschließlich bemannte Flugobjekte gab. Einschlägige Gesetze für kommerzielle Drohnen gibt es in den USA noch nicht. Auch in Deutschland sind ferngesteuerte Flieger nur rudimentär reguliert. Wiegen sie weniger als fünf Kilogramm und dienen sie keinem kommerziellen Zweck, dürfen sie von jedermann ohne Genehmigung geflogen werden – selbst von Kindern oder Jugendlichen.
Ansonsten brauchen sie eine Aufstiegserlaubnis, die allerdings Ländersache ist und entsprechend uneinheitlich gehandhabt wird. Nach der gegenwärtigen Rechtslage müssen die unbemannten Flugobjekte zudem immer in Sichtweite des Piloten bleiben, was autonome oder per Videobrille gesteuerte Flieger weitgehend ausbremst – und damit auch viele interessante Anwendungen wie den Pakettransport oder als Funk-Relaisstation.
Eine Lösung wäre es für Atkins, Drohnen unterhalb einer Höhe von wenigen Hundert Metern – außer in der Nähe von Flughäfen – relativ viel Freiheit zu lassen. Das würde den Konflikt zwischen Drohnen und Sportfliegerei beseitigen. Doch solche großen Schritte der FAA sind unwahrscheinlich. Die Drohnenhersteller verweisen darauf, dass die US-Behörde im Vergleich mit ihren Gegenparts in anderen Ländern langsamer den Weg für Drohnen freimacht – selbst wenn es nur um Forschung geht.
Airware-Kunden überwachen mit Drohnen in Frankreich bereits Bergbauanlagen und in Australien Ölplattformen. In Deutschland kontrollieren sie unter anderem Windparks und Hochspannungsleitungen. Aber auch diese Länder besitzen noch keine Überwachungssysteme. "Das ist die Chance für die USA, Führung zu übernehmen", sagt Downey. (grh)