Fegefeuer des Namedropping

In seinem Roman "Bleeding Edge", der nun auf Deutsch erschienen ist, fĂĽhrt uns Thomas Pynchon zurĂĽck ins New York des Jahres 2001.

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In seinem Roman "Bleeding Edge", der nun auf Deutsch erschienen ist, fĂĽhrt uns Thomas Pynchon zurĂĽck ins New York des Jahres 2001.

Die zeitgeschichtliche Kulisse in dem Buch bildet weniger 9/11 als vielmehr die im Jahr zuvor geplatzte Dotcom-Blase.

In ihrer Internetseligkeit wirkt die Zeit gleichzeitig fremd und vertraut. Die Yuppies übernehmen gerade die Upper West Side, doch unter dem Schickimicki köcheln dunkle Machenschaften. Ihnen ist die alleinerziehende Privatdetektivin Maxine Tarnow auf der Spur. Trotz des düsteren Grundtons ist die Geschichte witzig, voller Wortspiele und pointierter Dialoge.

Eine Zeitlang ist das recht unterhaltsam. Auf Dauer wirkt es allerdings, als sei Pynchon seiner eigenen Verschwörungstheorien müde, denn er treibt sie nur lustlos voran. Viel lieber lässt er seine Hauptdarstellerin in Bars und Restaurants auf Dutzende skurriler Gestalten treffen.

Das ist per se nicht weiter schlimm, schließlich kann man das Buch auch als Gesellschaftsroman lesen, als eine Art "Fegefeuer der Eitelkeiten" der 2000er. Doch lässt man die ständigen popkulturellen Anspielungen und das penetrante Namedropping von Personen, Orten und Etablissements weg, bleibt wenig übrig.

Thomas Pynchon: "Bleeding Edge", Rowohlt, 2014, 608 Seiten, 29,95 Euro (bsc)