Sega USA verspricht Online-Spielern Gratiskonsolen

Der US-Zweig des Spielkonsolen-Konzerns Sega will Zweijahresverträge mit dem Internet-Service SegaNet durch kostenlose Dreamcast-Konsolen versüßen.

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Der US-amerikanische Zweig des japanischen Sega-Konzerns kündigt den Start des Internet-basierten Online-Spieldienstes Sega.com sowie eines eigenen Internet-Service-Providers unter dem Label SegaNet an. Am heutigen Dienstag, dem 4. April 2000, legte Sega USA in diesem Zusammenhang Pläne für ein Konzept gesponserter Hardware vor, wie man es bislang hauptsächlich aus dem Mobilfunkmarkt kennt.

Teilnehmer, die einen Zweijahresvertrag mit SegaNet abschließen, werden den Ankündigungen zufolge eine Dreamcast-Konsole im Wert von rund 200 US-Dollar sowie die für Texteingaben notwendige Zusatztastatur kostenlos erhalten. Wer bereits eine solche Spielkonsole besitzt (in den USA wurde das Modell bereits im September 1999 vorgestellt), soll beim Vertragsabschluss zusätzlich zu der erwähnten Tastatur einen Scheck über 200 Dollar als Ausgleich bekommen. Die Planungen sehen vor, dass die Teilnehmer für den Internet-Zugang über SegaNet einen monatlichen Beitrag von 21,95 Dollar zahlen müssen.

Amerikanische Medien zitieren Peter Moore, Abteilungsleiter für Marketing bei Sega of America, dem zufolge der Hersteller mit Kosten von rund 400 Millionen Dollar für die gesponserte Hardware rechnet, im Gegenzug allerdings etwa eine Milliarde Dollar an Einnahmen aus dem Providergeschäft erwartet. Zusätzlich erhofft Sega sich durch die Aktion wachsende Umsätze bei der Spielsoftware und einen Durchbruch in dem als zukunftsträchtig geltenden Geschäft der Internet-Spiele-Communities. Sega.com will ein zentrales Portal mit Online-Spielplattform für amerikanische Dreamcast-Anwender bilden. Als angepeilten Startzeitpunkt für die angekündigten Aktionen nennt Sega den August 2000.

Aussagen des Herstellers zufolge nutzen bereits jetzt ungefähr 20 Prozent der Dreamcast-Besitzer das eingebaute Modem des Spielsystems, um E-Mail zu verschicken oder im Internet umherzustreifen. Erst im März 2000 hat Sega in Amerika das erste Internet-basierte Konsolenspiel ChuChu Rocket gestartet, in dem Spieler Mäuse durch Labyrinthe geleiten und ihnen helfen, dem Jagdeifer von Katzen zu entkommen. Ab Mai 2000 sollen auch deutsche Spieler Zugriff darauf erhalten. Im laufenden Jahr will Sega in den USA insgesamt zwölf Online-Spiele veröffentlichen, darunter Umsetzungen von PC-Bestsellern wie "Quake III – Arena" und "Half-Life". Darüber hinaus sollen sich auch klassische Multiplayer-Games, etwa Sportspiele, auf Dreamcast-Konsolen mit jeweils bis zu acht Teilnehmern übers Internet nutzen lassen. Um Dreamcast-Anwender noch enger ans Netz zu binden, hat Sega ferner einen speziellen MP3-Player zum Einstecken in die Konsole geplant, der unter 100 Dollar kosten und seine 64 MByte Speicherplatz mit Musik aus dem Internet füllen soll.

Im internationalen Markt für Spielkonsolen rangiert Sega derzeit an dritter Stelle nach Marktführer Sony und dem früheren Champion Nintendo. Wie das Wall Street Journal meldet, konnte Sega den eigenen Marktanteil in den USA seit der Vorstellung der Dreamcast-Konsole von bescheidenen 0,5 Prozent auf rund 15 Prozent steigern. Der Markt ist heiß umkämpft, und Sega steht unter dem Innovationsdruck der Mitbewerber: In Japan hat Sony bereits vor kurzem die Playstation 2 vorgestellt, bis Ende des Jahres soll sie auch in die USA und nach Europa kommen. Für das kommende Jahr wird nicht nur ein neues Nintendo-System, sondern auch die angekündigte X-Box von Microsoft erwartet. Von dem Konzept der Dreamcast-Anbindung an das Internet verspricht Sega sich einen entscheidenden Vorsprung: Die Konsolen von Sony und Nintendo sind bislang nicht mit Modems ausgestattet – lediglich die Playstation 2 erlaubt den Anschluss von Telekommunikationshardware, die aber zusätzlich erworben werden muss.

Für deutsche Spieler haben die US-Pläne keine unmittelbare Bedeutung. Markus Malti von der deutschen Sega Gesellschaft für Videospiele mbH spricht von einem "cleveren Schachzug" des amerikanischen Unternehmenszweiges, besonders angesichts der Wettbewerbssituation. Während die Marketing-Strategen bei Sony in den USA die neue Playstation zur DVD-Konsole erklärt haben, wolle Sega im Gegenzug Dreamcast als die Internet-Konsole schlechthin etablieren, so Malti. In Deutschland verwirklicht Sega die Internet-Anbindung für Dreamcast-Nutzer über VIAG Interkom. Mit einer direkten Umsetzung der für die USA vorgestellten Konzepte ist in Deutschland nicht zu rechnen. Man denke zwar auch über Internet-bezogene Modelle für den europäischen Markt nach, so Malti, es gebe aber noch nichts Konkretes. (psz)